Der Geist von Minneapolis



Der Geist von Minneapolis



Welcher Geist herrschte während der Generalkonferenzversammlung 1888,

weshalb die Botschaft von Waggoner und Jones auf Ablehnung stieß?



Es herrschte der Geist der Lieblosigkeit, des geistlichen Stolzes, des Pharisäertums, Spottes, Sarkasmus, der Selbstgerechtigkeit, Selbstgenügsamkeit, Gefühlslosigkeit, Rechthaberei, Streitsucht, Kälte, Kritik und Finsternis.



Nun folgen Auszüge aus dem Buch „Wenn Heilige sich streiten“ von George R. Knight, die das Damalige sehr gut beschreiben und belegen.



Möge Gott verhüten, dass je wieder etwas Ähnliches geschieht wie in Minneapolis", schrieb Ellen White im Rückblick auf die Generalkonferenzversammlung von 1888 an ihre Kinder ein halbes Jahr danach. In einem Manuskript, das sie kurz nach dem Ende der Versammlung geschrieben hat, berichtete sie, es habe ihr große Sorgen bereitet und „Angst“ gemacht, als sie „gleich zu Beginn der Versammlungen einen Geist wahrnahm, der wie eine Last" auf ihr lag, eine innere Haltung, wie sie sie bei den Verantwortlichen und Predigern der Gemeinschaft noch nie beobachtet hatte. Es bedrückte sie, dass ein ganz anderer Geist spürbar war, „so unähnlich der Gesinnung Jesu, völlig entgegengesetzt zu dem Geist, der unter Brüdern herrschen sollte”.

Auch ihr Sohn William White hatte diesen „Geist“ gespürt. Drei Wochen nach dem Ende der Versammlung in Minneapolis schrieb er an Ole A. Olsen, den neu gewählten Generalkonferenzpräsidenten, es seien Dinge vorgekommen, „über die man nicht gerne spricht. Schon seit einiger Zeit waren Bestrebungen im Gange, die bei der Versammlung in der Manifestation einem Geist des Pharisäertums gipfelten, wie Mutter es nannte.“

Diesen „Geist von Minneapolis" müssen wir verstehen, wenn wir die Dynamik der Generalkonferenzversammlung 1888 und die sich anschließende Entwicklung des Adventismus verstehen wollen.“



Die problematische Haltung vieler



„Ellen White sprach und schrieb wiederholt über die problematische Haltung vieler Delegierter, die sich in Minneapolis zeigte. So schrieb sie zum Beispiel bereits am 14. Oktober an George Butler, dass „der Geist, der bei dieser Versammlung vorherrscht, nicht der Geist Christi ist. Es ist keine Liebe untereinander zu spüren, kein Wohlwollen oder Mitgefühl. Satan hat Misstrauen gesät, um Streit zu verursachen. Es ist Verbitterung aufgekommen, die viele beschmutzen wird." Zu viele Delegierte seien nur von ihrem eigenen Geist und dem des „Feindes Gottes und der Menschen” beherrscht. Sie seien zu der Versammlung gekommen, um „Licht abzuwehren”. Das würde zu „falschen Vorstellungen und schrecklichen und unnötigen Missverständnissen” führen, und sie „gefühllos und unbeeindruckbar wie moralische Eisberge machen - kalt, ohne Sonne, finster und abschreckend”, erklärte sie. Und weiter: „Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen, die behaupten, unter der Führung Gottes zu stehen, sich wohlfühlen können, wenn in der Gemeinde nichts mehr von der Gnade Christi zu spüren ist.“

Am 21. Oktober äußerte sich Ellen White in einer Ansprache vor den Predigern besonders deutlich zu diesem Thema. Statt zu beten und ihr eigenes Herz und ihr eigenes Leben im Gebet zu prüfen, würden viele Delegierte Jones und Waggoner lächerlich machen, kritisieren und verspotten. „An nichts fehlt es der Gemeinde so sehr wie an christusähnlicher Liebe." Ellen White beschuldigte sie, sich wie Pharisäer zu verhalten, „die sich lauthals ihrer Frömmigkeit rühmen, in ihren Herzen aber nicht die Liebe Gottes haben“ und die „sich geweigert haben, Gott und Jesus Christus kennenzulernen”.

Anfang November erinnerte sie die Delegierten daran, dass Gott die Pharisäer von einst aufgeben musste wegen ihres „geistlichen Stolzes, ihrer Selbstgerechtigkeit und Selbstgenügsamkeit”. Auch warnte sie die Prediger davor, so zu diskutieren und zu argumentieren, wie es im traditionellen Adventismus üblich war, dem es weniger um die Wahrheit ging als darum, Recht zu haben….



…Was Ellen White von diesem Geist gespürt hatte, wurde ihr in einer Vision bestätigt. Während das Problem des Galaterbriefes in der Versammlung zur Diskussion stand, wurde sie „in einige Häuser versetzt", wo Delegierte untergebracht waren. „Es wurde viel geredet, die Gefühle waren aufgewühlt und es fehlte nicht an cleveren und - wie man meinte - scharfsinnigen und witzigen Bemerkungen.

Die von Gott gesandten Diener wurden karikiert, verspottet und der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Kommentare über mich und über das Werk, das Gott mir aufgetragen hatte, waren alles andere als schmeichelhaft. Auch Willie Whites Name fiel oft; er wurde angeprangert und lächerlich gemacht ebenso wie die Brüder Jones und Waggoner."



Der „Geist von Minneapolis” wies nach Ellen Whites Beschreibung

unter anderem folgende Merkmale auf:



1.

Sarkasmus und Scherze über die Reformer. Zum Beispiel bezeichneten manche Waggoner als „Schwester Whites Liebling“.

2.

Kritik dominierte allenthalben.

3.

Neid, üble Unterstellungen, Hass und Eifersucht herrschten.

4.

Er führte zu „bitteren, harten Gefühlen" und Einstellungen.

5.

Widerstand gegen die Stimme des Heiligen Geistes.

6.

Ausdrucksweisen, die darauf abzielten, einander gegen die aufzuhetzen,

die andere Lehrmeinungen vertraten.

7.

Streit und Debatten über Glaubenslehren statt dem Geist Jesu Raum zu geben. Dieser Geist erregte „menschliche Leidenschaften” und einen „Geist der Verbitterung, weil einige ihrer Brüder es gewagt hatten, Ideen zu entwickeln, die den bisherigen Ansichten widersprachen und als Angriff auf die etablierten Glaubenslehren verstanden wurden", schrieb Ellen White.

8.

Er verursachte eine Haltung, die zu „Wortspielereien“ und zum „Streit um Worte“ in den Debatten führte. Kurzum, der Geist, der sich in Minneapolis offenbarte, „war unfreundlich, ungehörig und nicht christusähnlich.“



Beachtenswert ist, dass dieser „Geist von Minneapolis" dem Wunsch entsprang, die alten „Erkennungszeichen“ adventistischer Glaubenslehren zu schützen, insbesondere die traditionelle Auslegung des Gesetzes im Galaterbrief.

Ellen White beklagte, dass „unterschiedliche Meinungen darüber, wie einige wenige Bibeltexte zu verstehen sind, die Kontrahenten ihre religiösen Prinzipien vergessen lassen“. Als sie sah, wie und in welchem Geist die Traditionalisten ihre Position zum Galaterbrief vertraten, kam ihr „zum ersten Mal” der Gedanke, dass sie sich irren, „denn die Wahrheit muss nicht in einem solchen Geist verteidigt werden“. Sie erklärte den Traditionalisten: „Gott möge mich mit euren Gedanken verschonen wenn sie mich ebenso unchristlich machen im Geist, in Worten und in Taten“, wie es bei ihnen geschehen war.

Eine der großen Tragödien von Minneapolis lag darin, dass die Leitung der Gemeinschaft in Battle Creek die Reinheit der adventistischen Lehre und ihrer traditionellen Schriftauslegung bewahren wollte, dabei aber den Geist echten Christseins verlor. Wie den Pharisäern zur Zeit Christi lag ihnen mehr daran, die traditionellen Lehren zu bewahren, als die ganze Wahrheit zu entdecken oder sich im Umgang mit den Problemen in der Gemeinschaft christlich zu verhalten. ….. Der aufrichtige Wunsch, den von den Vätern übernommenen Glauben rein zu erhalten, hat in den Verfechtern der „Wahrheit“ allzu oft einen „kalten, kritischen, sarkastischen Geist“ hervorgebracht, der „die Liebe Jesu“ verdrängt. So war es zur Zeit Christi, so war es während vieler großer Christenverfolgungen und so war es auch in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Minneapolis.

Satan hat immer versucht, durch Spaltungen die Gemeinde Jesu zu überwinden. Das war auch 1888 so. Kurz nach dem Ende der Generalkonferenzversammlung beschrieb Ellen White seine Strategie folgendermaßen:

„Satan hielt einen Rat, wie er Feder und Stimme der Siebenten-Tags-Adventisten zum Schweigen bringen kann. Wenn es ihm gelänge, ihre Aufmerksamkeit und ihre Kräfte auf irgendetwas zu lenken, das sie schwächt und spaltet, stünden seine Aussichten nicht schlecht. Und tatsächlich war Satan teilweise erfolgreich.“

1888 konzentrierte er sich auf das Gesetz im Galaterbrief. Später stritten sich die theologischen Köpfe der Gemeinschaft über den Ausdruck „das Tägliche“ in Daniel 8,13 und über die Natur Christi und offenbarten dabei einen Geist, der dem von Minneapolis ähnelt. Was im Einzelnen den Streit auslöst, ist für den Teufel ohne Belang. Er ist nur an den Auswirkungen interessiert. Solange er erreichen kann, dass sich die Pastoren und Gemeindeglieder übereinander aufregen, sich in theologische Machtkämpfe verwickeln und um die adventistischen Erkennungszeichen streiten, hat er sein Ziel erreicht. Der „Geist von Minneapolis” war nicht nur 1888 lebendig ~ er hat in der Kirchen- und Adventgeschichte zu allen Zeiten eine sehr negative Rolle gespielt.



Die angebliche „kalifornische Verschwörung”



Um die Intensität und Verbreitung des „Geistes von Minneapolis” zu verstehen, muss man sich mit der angeblichen „kalifornischen Verschwörung“ befassen. Der negative Geist war bei den leitenden Predigern und Administratoren schon vor der Generalkonferenzversammlung von 1886 zu beobachten gewesen, aber sein zerstörerisches Potenzial hatte er erst wenige Tage vor Beginn der Predigerversammlung in Minneapolis am 10. Oktober 1888 entwickelt.

Ein Brief, den George Butler Ende September von William H. Healey aus Kalifornien bekam, verschärfte die Problematik mit einem Schlage. Healey informierte den bereits erschöpften und überarbeiteten Präsidenten über eine Reihe von Ereignissen, die nichts anderes bedeuten konnten als eine Verschwörung und ein Verrat seitens der Delegierten von der Westküste; jedenfalls wurden sie von Butler und Healey so gedeutet.

Healey hatte einiges zu erzählen. Als Erstes berichtete er von einem Treffen Ende Juni zwischen Ellet Waggoner, Alonzo Jones, Willie White und mehreren in Kalifornien tätigen Predigern. Zwei Tage lang hätten sie über die historischen Aspekte der zehn Reiche in Daniel 7 gesprochen und sich mit Waggoners Ansichten über das Gesetz im Galaterbrief beschäftigt.“ Zum Schluss habe die Gruppe einstimmig empfohlen, dass Waggoner 500 Exemplare seines Buches The Gospel in the Book of Galatíahs drucken und unter den Delegierten der Generalkonferenzversammlung verteilen lassen sollte. „Wir machten daraus kein Geheimnis", erklärte Willie White später. Allerdings machten sie es auch nicht bekannt.

Das zweite Ereignis, über das Healey berichtete, war eine Predigertagung, die im September 1888 in Verbindung mit der jährlichen Zeltversammlung in Kalifornien stattgefunden hatte. „Die Brüder Jones und Waggoner trugen ihre Gedanken zum Gesetz im Galaterbrief ganz unerwartet vor", berichtete Healey. „Es bewegte die Zeltversammlung sehr” und wurde „lebhaft diskutiert". Als Healey erfuhr, dass sie „diese Gedanken auch auf der Generalkonferenzversammlung vortragen wollten“, entschloss er sich sofort, Butler zu warnen. Er drängte ihn, keine Aussprache über dieses Thema zuzulassen. Willie White zufolge scheint Healey dabei „den Eindruck erweckt zu haben, dass wir an einem geheimen Plan arbeiteten, während wir davon ausgingen, dass wir uns in völligem Einklang mit Butlers Plänen befanden”.

Vor dem Eintreffen von Healeys Brief schien George Butler emotional stabil gewesen zu sein. Zwar war es ihm eigentlich nicht recht, dass die umstrittenen Themen - die zehn Reiche und das Gesetz im Galaterbrief - während der Versammlung zur Sprache kommen sollten, aber die Briefe von Willie und Ellen White vom August überzeugten ihn von der Notwendigkeit, es doch zuzulassen.

In Anbetracht seiner eigenen Befürchtungen empfand Butler Healeys Mitteilungen zweifellos als äußerst bedrohlich. Der Präsident der Generalkonferenz war am Boden zerstört, als er nur wenige Tage vor dem Beginn der Versammlungen in Minneapolis aus erster Hand Einzelheiten über Vorgänge in Kalifornien mitgeteilt bekam, die in seinen Augen eine Verschwörung darstellten. Plötzlich erschienen auch frühere Ereignisse in einem neuen Licht. Traten nicht Willie White und Ellen White schon seit zwei Jahren dafür ein, dass Jones und Waggoner Gelegenheit bekommen müssten, ihre Ansichten zu erläutern? Und hatten die Whites nicht im August darauf bestanden, eine Aussprache über die umstrittenen Themen auf die Agenda der Versammlung in Minneapolis zu setzen, obwohl er selbst dagegen gewesen war? War nicht Ellen White sogar so weit gegangen, ein Rundschreiben an die Delegierten zu schicken, in dem sie verlangte, dass Jones und Waggoner gehört werden? Offenbar hatte sie sich mit ihnen verbündet, überlegte er, und stand nun völlig unter ihrem Einfluss. Ohne Zweifel handelte es sich hier um eine höchst gefährliche Verschwörung und um eine Bedrohung bewährter adventistischer Glaubensüberzeugungen.

Diese Überlegungen stürzten George Butler in hektische Aktivitäten. Er ließ sofort mehrere Hundert Exemplare seiner Broschüre The Law in the Book of Galatians drucken, um sie in Minneapolis verteilen zu können. Dann rief er seine Anhänger zusammen und schärfte ihnen ein, der Verschwörung entschieden entgegenzutreten. Außerdem schickte er zahllose Telegramme und Briefe an die Delegierten, warnte sie vor dem Komplott und beschwor sie, „an den alten Erkennungszeichen festzuhalten". Schließlich schrieb er am 1. Oktober noch einen 40-seitigen Brief an Ellen White, in dem er sie für seine angeschlagene Gesundheit verantwortlich machte und behauptete, hinter dieser Verschwörung stecke Willie White. Am Ende des zweiten Tages der Predigertagung vor der Generalkonferenzversammlung hatte die Kunde von der angeblichen Verschwörung alle Smith-Butler-Anhänger erreicht.

Die Whites, Jones, Waggoner und die anderen Delegierten aus Kalifornien wussten aber nichts davon, dass die Brüder in Battle Creek sie für Verschwörer hielten. „Erst nach der Konferenz erfuhren wir, was die Brüder von der Generalkonferenz uns vorwarfen”, schrieb Alonzo Jones später. „Völlig ahnungslos waren wir nach Minneapolis gekommen und hatten nichts anderes erwartet, als durch unvoreingenommenes Bibelstudium die Wahrheit zu erkennen.“ Auch Willie White erklärte in einem Brief, er habe überhaupt nichts davon gewusst, dass „meine alten Freunde in Battle Creek mir die bittersten Vorwürfe machten".

Weil sie keine Ahnung hatten, was sich hinter den Kulissen abspielte, bestanden die Whites und Stephen Haskell weiter darauf, die umstrittenen Themen auf die Agenda zu setzen, ohne es näher zu begründen. (In Abwesenheit von Butler leitete Stephen N. Haskell die Versammlung; er war bis vor kurzem Präsident der Kalifornien-Vereinigung gewesen.) Willie White berichtete, Haskell habe es peinlichst vermieden, Jones und Waggoner öffentlich zu kritisieren (obwohl er es in persönlichen Gesprächen mit ihnen durchaus tat), weil „sie hoffnungslos in der Minderheit waren”. Die Smith-Butler-Fraktion beobachtete das Verhalten ihrer Kontrahenten und ordnete sie in ihre Verschwörungstheorie ein.

Uriah Smith erklärte später, die umstrittenen Themen wären nur deshalb „zur Sprache gekommen und hätten die Konferenz fast scheitern lassen", weil die Whites und Haskell darauf bestanden hatten. Ellen Whites Einschätzung war ganz anders. 1901 schrieb sie an William Healey, sein Brief an Butler habe „das Werk Gottes um Jahre zurückgeworfen”. Schon im Dezember 1888 ließ sie ihn wissen, er habe nicht nur dem unter der Oberfläche schon brodelnden negativen Geist zum Durchbruch verholfen, sondern auch viel dazu beigetragen, ihren Einfluss zu untergraben. „Mein Zeugnis wurde ignoriert; noch nie bin ich so behandelt worden wie auf dieser Versammlung." Es sei zum großen Teil sein „Verdienst”, dass sich die Dinge so entwickelt hatten.

Die angebliche „kalifornische Verschwörung” und der „Geist von Minneapolis" standen also in direktem Zusammenhang mit den Problemen, mit denen sich Ellen White in Minneapolis konfrontiert sah. Diese Generalkonferenzversammlung und deren unmittelbare Auswirkungen markierten den Tiefpunkt ihres prophetischen Dienstes. In der Zeit davor war sie zwar oft von Nichtadventisten attackiert worden, und auch die eigenen Glaubensgeschwister hatten sie gelegentlich kritisiert; in Minneapolis aber traf sie sogar bei der Leitung der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten auf Zweifel und weit verbreitete Feindseligkeit.



Die Krise über Ellen Whites Autorität in Minneapolis



Zwar schrieb die Minneapolis Tribune: „Frau White ist eine Art Prophetin. Wenn sie spricht, hören die Siebenten-Tags-Adventisten ehrfurchtsvoll zu” - doch sie selbst wusste es besser. Sie merkte, dass ihre Zuhörer anders reagierten als bisher. Gegen Ende der Generalkonferenzversammlung schrieb sie ihrer Schwiegertochter, ihr Zeugnis habe „viele Teilnehmer so wenig beeindruckt", wie es bisher „zu keiner Zeit in ihrem Dienst” der Fall gewesen war. Zwar hätten die Delegierten sie zu Beginn der Konferenz herzlich begrüßt; viele von ihnen seien aber auf Distanz zu ihr gegangen, „als sie merkten, dass Schwester White nicht mit allen ihren Vorstellungen und allen Vorschlägen und Resolutionen übereinstimmte, über die auf der Konferenz abgestimmt werden sollte”. Ellen White hatte sich ja nicht nur geweigert, den Streit über den Galaterbrief durch ein „Zeugnis“ von ihr zu beenden, wie Butler sie wiederholt gebeten hatte (mehr darüber in Kapitel 5); sie stand auch von Anfang an hinter Jones und Waggoner. Viele deuteten ihre unkooperative Haltung als Ausdruck ihrer geheimen Absprache mit den kalifornischen „Verschwörern”. Ihre Haltung gab also dem feindseligen Geist von Minneapolis zusätzliche Nahrung.

Wie bereits erwähnt waren Butler, Smith und ihre Anhänger der Meinung, Ellen White habe den Streit um das Gesetz im Galaterbrief bereits Mitte der 1850er-Jahre entschieden. Nun - so glaubten sie - würde sie ihre „Lösung“ der Streitfrage leugnen, indem sie erklärte, dass Waggoner es verdient, angehört zu werden, und die Delegierten auch selbst danach forschen müssten, was die Bibel über dieses Thema sagt. Butler und Smith hatten ihr nahezu damit gedroht, sie würde ihre Glaubwürdigkeit als Gottes Sprecherin verlieren, sollte sie deren Position nicht unterstützen. Ellen White lehnte dies ab und erfuhr die Verwirklichung der Drohung. Die Prophetin sah sich mit der Zwickmühle konfrontiert, dass die beiden einflussreichsten Männer der Gemeinschaft ihr ablehnend gegenüberstanden. Butler schrieb ihr später, ihre „Haltung während der Versammlung” habe „einigen unserer Prediger fast das Herz gebrochen”. Das von Smith und Butler gehörte bestimmt dazu.

Da Ellen White es ablehnte, den Streit um das Gesetz im Galaterbrief autoritativ zu entscheiden, und weil sie öffentlich die Ansicht vertrat, Jones und Waggoner müssten unvoreingenommen angehört werden, unterstellten ihr viele, sie sei von ihrem Sohn Willie und den Brüdern Jones und Waggoner beeinflusst worden. Sie warfen ihr vor, nicht mehr „dieselbe zu sein wie früher“, da sie anscheinend ihre Meinung zum Gesetz im Galaterbrief geändert habe. In Minneapolis war Ellen White also von Misstrauen umgeben.

Dieses Misstrauen zeigte sich besonders deutlich, als die Delegierten ihr nicht glauben wollten, dass sie nichts mit der angeblichen „kalifornischen Verschwörung” zu tun hatte. „Als ich meinen Brüdern versicherte, ich hätte von Bruder Waggoners Ansichten zum ersten Mal [in Minneapolis] etwas gehört, glaubten mir einige nicht“, schrieb sie danach. Sie war ja bis kurz zuvor in Europa gewesen. Und da sie in Minneapolis noch nichts von Healeys Brief an Butler und den Gerüchten über eine „kalifornische Verschwörung“ wusste, war sie über die Haltung der Prediger, die sie doch so gut kannten, schockiert. Sie stellten sie praktisch als Lügnerin hin, denn sie glaubten nicht dem, was sie sagte. Einige Monate nach der Versammlung schrieb sie an ihre Familie: „Mehrere Brüder haben zugegeben, sie hätten es zwar nicht so direkt sagen wollen, dass Schwester White lügt, aber sie hätten ihr tatsächlich nicht geglaubt, dass sie die Wahrheit sagt. Sie dachten, wir alle [Jones, Waggoner, die Prediger aus Kalifornien, Willie und Ellen White] wären mit einem festen Verständnis über das Gesetz im Galaterbrief gekommen und entschlossen gewesen, diese Ansicht durchzusetzen. In all dem Widerstand, der gegen [meine Zeugnisse in der Vergangenheit] aufgekommen ist, hat mir zuvor niemand vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen", bemerkte sie.

William Healeys Brief an George Butler wirkte wie Sauerteig in den Köpfen der Gemeinschaftsleitung, die Angst vor Auseinandersetzungen über Glaubenslehren - oder gar deren Veränderungen - mitten in der von den Sonntagsgesetzen ausgelösten Krise hatte.



Wie tief das Misstrauen gegenüber Ellen White saß, zeigt die Tatsache, dass nicht einer von den Delegierten zu ihr kam und fragte, ob die Berichte, Verdächtigungen und Gerüchte wahr seien.



Ellen White beurteilte die Situation folgendermaßen: „Unsere Brüder hatten sich täuschen lassen. Sie hatten das Vertrauen in Schwester White nicht deshalb verloren, weil sie sich geändert hatte, sondern weil ein anderer Geist von ihnen Besitz ergriffen hatte und sie beherrschte. Satans Absicht ist es, durch seine Mittel die Zeugnisse des Geistes Gottes wirkungslos zu machen.”

Entmutigt von der Atmosphäre, die auf der Versammlung in Minneapolis zu spüren war, beschloss sie, die Generalkonferenz nach ihrer Ansprache am 24. Oktober, in der sie die Delegierten wegen ihrer verkehrten Haltung und falschen Einstellung heftig getadelt hatte, in aller Stille zu verlassen - nicht nur, weil die Delegierten ihr nicht mehr glaubten, sondern auch weil sie befürchtete, von „dem vorherrschenden Geist angesteckt zu werden“…..

Allerdings änderte sie ihren Entschluss, als ihr „in einer nächtlichen Vision“ gesagt wurde, es sei „Gottes Wille, meine Pflicht auf meinem Posten zu erfüllen; Gott selbst werde mein Helfer sein und mich stützen, um die Botschaft weiterzugeben, die er mir geben würde.” Denn auf der Konferenz in Minneapolis, so wurde ihr gesagt, „werden Entscheidungen über Leben und Tod fallen". Die Delegierten sollten „eine weitere Chance bekommen, damit sie die Täuschung erkennen, ihren Irrtum bereuen, ihre Sünden bekennen und zu Christus kommen, um bekehrt zu werden”.



Leider erkannten viele Delegierte ihren Irrtum nicht und bekannten und bereuten deshalb auch nichts. An ihrer Spitze standen George Butler und Uriah Smith. Ihre Haltung war in Bezug auf Ellen White sehr wichtig, weil sie großen Einfluss auf die Prediger und Gemeindeglieder hatten. „Wo immer ich hinkomme, höre ich Einwände gegen die Zeugnisse, wobei die Brüder Smith und Butler zitiert werden“, schrieb sie Ende 1890. Ihre Gegner wiesen darauf hin, dass selbst diese Leiter nicht mehr an die Zeugnisse glaubten und die Kritik an ihrem Verhalten in Minneapolis nicht akzeptierten. „Sind sie nicht gute Männer?”, fragten sie. „Haben sie nicht im Werk des Herrn einen hohen Rang eingenommen?” Einige waren aufgrund solcher Überlegungen zu dem Ergebnis gekommen, dass „Schwester Whites Werk und Einfluss der Vergangenheit angehört. Wir brauchen die Zeugnisse nicht länger.“ An Butler hatte Ellen White schon Ende 1888 geschrieben, ihre Arbeit hätte „durch die anscheinenden Verteidiger ihrer Zeugnisse, die aber ihre wahren Angreifer sind”, mehr gelitten als durch ihre offenen Gegner.“

Weil George Butler Ellen White noch nicht in Bausch und Bogen ablehnte, konnte er noch als „anscheinender Verteidiger” ihrer Arbeit bezeichnet werden. Er griff vielmehr zu der Methode, wählerisch vorzugehen in dem, welche ihrer Äußerungen er als inspiriert ansah und welche nicht. Ellen White schrieb später an Ole Olsen: „Satan hat die Sache gemäß seiner Absichten arrangiert und sein Ziel erreicht: Weil Schwester Whites Botschaften in ihren Zeugnissen nicht mit den Ansichten [der Brüder] übereinstimmten, wurden sie als ohne Bedeutung hingestellt, es sei denn, sie bestätigten ihre eigenen Vorstellungen.“

Uriah Smith benutzte dieselbe Methode wie George Butler. Ende Dezember 1890 schrieb ihm Ellen White, er stünde an der Spitze ihrer Gegner. Er und andere hätten ihre „Zeugnisse so lange gering geschätzt, kritisiert, kommentiert, abgewertet, ein wenig herausgepickt und [den Rest] verworfen - bis sie ihnen nun nichts mehr bedeuten. Sie interpretieren sie ganz nach eigenem, begrenztem Urteilsvermögen und sind damit zufrieden und finden das ganz in Ordnung.“



Smith und Butler hatten schon in den frühen 1880er-Iahren damit begonnen, wählerisch mit den Botschaften Ellen Whites umzugehen. Angefangen hatte es mit einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem Chefredakteur des Review und Ellen White während jener Krise, die schließlich zur Schließung des Battle Creek-Colleges im Unterrichtsjahr 1882/83 führte. Sie hatte ihm als Vorsitzenden des Ausschusses vorgeworfen, er habe das „Zeugnis”, das sie ihm zugeschickt hatte, nicht öffentlich verlesen. Smith war abgeneigt, das zu tun, weil dieses Zeugnis seinem eigenen Standpunkt widersprach. Er rechtfertigte sein Verhalten mit der Behauptung, ihre Mitteilung habe nicht den Charakter eines „Zeugnisses” gehabt, weil es nicht den Anspruch erhob, auf einer Vision zu beruhen.“ Damit hatte er Ellen Whites Botschaften in zwei Gruppen eingeteilt: In solche, die auf einer Vision beruhten und daher inspiriert waren, und jene, die nicht auf einer Vision beruhten, also vermutlich ihre persönliche Meinung wiedergaben. Botschaften der ersten Kategorie kamen seiner Ansicht nach von Gott und mussten befolgt werden; solche, die der zweiten Gruppe angehörten, fußten möglicherweise auf göttlicher Autorität oder auch nicht. Wie verbindlich sie sind, müsste demnach jeder selbst beurteilen. Uriah Smith haderte danach jahrelang mit Ellen White, weil sie ihn in dem Streit um das College seiner Meinung nach „ungerecht behandelt“ hatte.

Butler wollte dieses von Smith verursachte Problem aus der Welt schaffen und veröffentlichte 1884 im Advent Review and Sabbath Herald zehn Artikel über Grade der Inspiration bei den Verfassern der Bibel. Aber statt das Problem zu lösen, verkomplizierte er es, denn er kam zu dem Ergebnis, manche Bibelabschnitte seien nicht in demselben Maße inspiriert wie andere und besäßen daher auch nicht die gleiche Autorität. Er bezog seine Schlussfolgerungen zwar nicht ausdrücklich auf Ellen White, wies aber in seinem letzten Artikel daraufhin, dass Gott heute noch durch die Gabe der Prophetie zu seinem Volk rede und er glaube, dass im Schrifttum Ellen Whites „die gleichen Merkmale zu beobachten sind wie bei denen, die damals Visionen hatten”.

Seine Theorie der unterschiedlichen Grade von Inspiration wurde in Battle Creek sowohl in Predigten in der Gemeinde verkündigt als auch am College gelehrt…..

…..Der selektive Umgang mit ihrem Schrifttum war also bereits in vollem Gange, als die Generalkonferenzversammlung in Minneapolis begann, wo er sich angesichts ihrer Haltung zum Gesetz im Galaterbrief und ihrer Unterstützung für Jones und Waggoner als recht nützlich erwies. Man konnte behaupten, ihre Ansichten wären ihre persönlichen Meinungen. Erschrocken über die Größe des Problems schrieb Ellen White schon zu Beginn der Versammlung an George Butler: „Der Herr hat dich nicht durch seinen Heiligen Geist dazu bewegt, über Inspiration zu schreiben. Du selbst betrachtest das vielleicht als Licht, aber es wird viele in die Irre führen und für manche sogar ein Geschmack des Todes werden.”

Das Verhalten vieler Teilnehmer der Generalkonferenzversammlung in Minneapolis fasste Ellen White folgendermaßen zusammen: „Wenn die voreingenommenen Ansichten oder speziellen Gedanken einiger durch [meine] Zeugnisse gerügt und durchkreuzt werden, machen sie sofort klar, dass man bei den Zeugnissen zwischen Ellen Whites persönlicher Meinung und dem Wort des Herrn differenzieren müsse. Alles, was ihre lieb gewordenen Vorstellungen unterstützt, sei göttlich, aber die Zeugnisse, die sie auf ihre Irrtümer aufmerksam machen, seien menschlichen Ursprungs - Ellen Whites Meinung. Sie machen den Rat Gottes durch ihr traditionelles Denken unwirksam“, denn Ellen Whites Meinung war in ihren Augen natürlich nicht besser als die irgendeines anderen Menschen.



Das Fortdauern der Krise über Ellen White



Auch nach der Generalkonferenzversammlung in Minneapolis wurden weiter Zweifel an Ellen Whites Vertrauenswürdigkeit ausgesät. Einige Delegierte waren vorzeitig abgereist und verbreiteten in Battle Creek und an anderen Orten das Gerücht, man könne Ellen White nicht mehr vertrauen. Als sie dann im November selbst im Hauptquartier der Gemeinschaft in Battle Creek eintraf, begegnete man ihr mit Skepsis und Argwohn. Sie war in die Defensive gedrängt und musste ihre Position verteidigen. Als sie es im „Dime Tabernacle“ in Battle Creek getan hatte, kamen viele Gemeindeglieder zu ihr und ließen sie wissen, wie „erleichtert“ sie seien, dass sie sich keineswegs gewandelt habe; sie wüssten nun, dass „der Geist Gottes wie bisher durch sie spricht“.

Diese Versammlung in Battle Creek war allerdings nur der Anfang eines langen Ringens um die Wiederherstellung ihrer Glaubwürdigkeit. Es war ein Teil der Kampagne, die sie zusammen mit Waggoner und Jones von 1889 bis 1891 durchs Land führte, um den Gemeindegliedern die Botschaft von Minneapolis nahezubringen. Denn ob ihre Vertrauenswürdigkeit und Autorität innerhalb der Gemeinschaft wiederhergestellt werden konnte, hing davon ab, ob es ihr gelingen würde, die Adventisten wenigstens zu einem Lippenbekenntnis zu den Lehren von Jones und Waggoner zu bewegen, die sie in Minneapolis und in der Zeit danach so stark unterstützt hatte. Aber für die Hartgesottenen in der Frage des Gesetzes im Galaterbrief war ihre gemeinsame Arbeit mit den Reformern auf Zeltversammlungen, Schulungen und Predigertagungen nur ein weiterer Beweis für die „kalifornische Verschwörung“. Der Widerstand der Gegner von Jones und Waggoner habe ihre „Arbeit 50 Mal schwerer gemacht, als sie sonst gewesen wäre“, schrieb sie 1890.

Besonders heftigen Widerstand leistete die Leitung des Review and Herald-Verlages in Battle Creek gegen Ellen White, Alonzo Jones und Ellet Waggoner nach 1888.

Große Sorgen bereitete es Ellen White, dass einige Brüder in Battle Creek die Verbreitung der kürzlich erschienenen Neuausgabe des Great Controversy (Der große Kampf) blockierten. Sie forcierten zwar den Verkauf des im gleichen Jahr erschienenen Buches Bibellesungen für den Familienkreis mit traditionellen Ansichten, unternahmen aber fast nichts, um den Absatz des Großen Kampfes zu fördern. Das überraschte Ellen White, weil das Buch eine klare Stellungnahme zur aktuellen Sonntagsgesetzgebung enthielt. Es „entlarvt Satans Täuschungen“, sagte sie. „Und wir müssen damit rechnen, dass der Feind aller Gerechtigkeit nichts unversucht lässt, um von den Menschen alles fernzuhalten, was seine Machenschaften enthüllt.“

Nicht nur die Verbreitung des Großen Kampfes wurde erschwert; bei dem Buch Patriarchen und Propheten war es 1890 nicht anders. Das Buch enthielt ein Kapitel über „das Gesetz und die Bündnisse“ mit Aussagen, die in diametralem Gegensatz zu den Positionen von Uriah Smith und George Butler standen.

1890 war Ellen White über den adventistischen Verlag in Battle Creek so verärgert, dass sie ihm keine Manuskripte mehr anvertrauen wollte, solange der Verlag solch ein Desinteresse an ihnen zeigte. „Ich habe mehrere Bücher fast fertiggestellt“, teilte sie den Managern mit; „sie können bald verkauft werden. Aber warum sollte ich annehmen, dass ihr euch für ihre Verbreitung mehr engagiert als ihr es für den Großen Kampf getan habt?“ Sie ließ ihren Worten Taten folgen und veröffentlichte 1892 Steps to Christ (auf Deutsch heute: Der bessere Weg zu einem neuen Leben) im bekannten Verlag Fleming H. Revell. George B. Starr berichtete später, Ellen White habe ihm gesagt, sie wollte nicht das Risiko eingehen, dass der adventistische Buchausschuss irgendwelche Änderungen an einem Manuskript vornimmt, das „die Wahrheit der Gerechtigkeit durch den Glauben darstellt, die seit der Generalkonferenzversammlung 1888 ihr großes Thema gewesen war“.



Bald nach der Konferenz in Minneapolis veröffentlichte Ellen White ihr Testimony No. 33. Willie White war davon begeistert, denn er hoffte, es werde „viel Licht verbreiten“ und den Geschwistern helfen, ihre im Zuge des Minneapolis-Desasters entstandenen „Vorurteile abzubauen“. Eine kurze Durchsicht zeigt, dass Testimony No. 33 (jetzt im 5. Band der Testimonies for the Church zu finden) mehrere Kapitel enthält, die etwas mit Minneapolis zu tun haben, zum Beispiel die Kapitel „Einheit und Liebe in der Gemeinde“, „Praktische Frömmigkeit“, „Notwendigkeit täglichen Bibelstudiums“ (auf Deutsch: „Voraussetzungen zum Erfolg im Werk Gottes“) und „Der bevorstehende Kampf“. Noch wichtiger war allerdings aus der Sicht Willie Whites das 38 Seiten umfassende Kapitel unter der Überschrift „Wesen und Einfluss der Zeugnisse“. Es fasste Aussagen zusammen, die Ellen White in den vergangenen 40 Jahren über ihre prophetische Tätigkeit gemacht hatte, und enthielt darüber hinaus einige neue Gesichtspunkte. Sie hatte es mit Absicht zusammengestellt, um ihr Verhalten in der Krise von 1888 zu erläutern und zu verteidigen. Die Zwischenüberschriften machen das deutlich: „Nicht an Stelle der Bibel“, „Zweifel an den Zeugnissen“, „Vernachlässigung der Zeugnisse“ und „Wie eine Zurechtweisung aufgenommen werden soll". Der längste Unterabschnitt dieses Kapitels „Eine unberechtigte Unterscheidung“ (im Deutschen ein Extrakapitel) zielte direkt auf die Praxis von Smith und Butler, Ellen Whites Schriften nach dem Grad ihrer Inspiration einzuteilen. Sie attackierte diese Theorie vehement und bestritt ihre Richtigkeit. Zum Schluss forderte sie ihre Leser auf, ihr Schrifttum einer Prüfung zu unterziehen: „Stimmen die Zeugnisse nicht mit dem Wort Gottes überein, dann verwerft sie.“ Wenn sie aber mit der Bibel übereinstimmen, versteht es sich von selbst, welcher Kurs der richtige ist.



ln der Zeit nach 1888 hatte Ellen White also einen kämpferischen Weg eingeschlagen - sowohl mit ihrem Schrifttum als auch durch ihren persönlichen Einsatz. Sie schreckte nicht vor dem Auftrag zurück, den der Engel ihr in Minneapolis gegeben hatte, nämlich das Schlachtfeld nicht zu verlassen. Sie habe eine Botschaft für das Adventvolk, hatte der Engel ihr gesagt. Und Ellen White war nicht jemand, der von dem, was sie als den offenbarten Willen Gottes erkannt hatte, abwich.“



Auszüge aus dem Buch „Wenn Heilige sich streiten“ von George R. Knight, Seite 113-130



Das Buch kann beim Advent-Verlag erworben werden:

https://advent-verlag.de/theologie/adventgeschichte/wenn-heilige-sich-streiten




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