Dem Bräutigam entgegen gehen



Christi Gleichnisse

Kapitel 29:

Dem Bräutigam entgegen gehen

Auf der Grundlage von Matthäus 25,1-13. 


Christus sitzt mit seinen Jüngern auf dem Ölberge. Die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden und die Abendschatten lagern sich über die Erde. Ein hell erleuchtetes, wie zu einem Feste hergerichtetes Wohnhaus liegt vor ihnen.

Der von demselben ausgehende Lichtglanz und eine erwartungsvolle Gesellschaft lassen erkennen, daß bald ein Hochzeitszug kommen wird.

In vielen Teilen des Orients werden Hochzeitsfestlichkeiten am Abend abgehalten. Der Bräutigam holt seine Braut und führt sie in sein Heim. Bei Fackellicht bewegt sich der Brautzug von des Vaters Haus zu dem des Bräutigams, wo für die geladenen Gäste ein Gastmahl bereitet ist.

In der Szene, auf welche Christus blickt, erwartet eine Schar die Ankunft der Braut und ihres Gefolges, in der Absicht, sich dem Zuge anzuschließen.


In der Nähe des Hauses der Braut stehen zehn in Weiß gekleidete Jungfrauen. Jede trägt eine angezündete Lampe und ein kleines Ölfläschchen. Alle warten sehnsüchtig auf das Erscheinen des Bräutigams.

Aber dasselbe verzögert sich. Stunde auf Stunde verstreicht; die Wartenden werden müde und schlafen ein.

Um Mitternacht aber wird ein Geschrei gehört: „Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!“


Die Jungfrauen, plötzlich erwachend, springen auf. Sie sehen, wie sich der von Fackeln erhellte Zug unter dem Klange fröhlicher Musik in Bewegung setzt. Sie hören die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut.

Sie ergreifen ihre Lampen und putzen dieselben eiligst, um dann mitzugehen. Aber fünf der Jungfrauen haben es versäumt, ihre Ölgefäße zu füllen.

Sie hatten eine so lange Verzögerung nicht erwartet und sich nicht für einen Notfall vorbereitet.

In ihrer Verlegenheit wenden sie sich an ihre weiseren Gefährtinnen und sagen: „Gebt uns von eurem Öle, denn unsre Lampen verlöschen.“



Aber die wartenden Fünf mit ihren frisch gefüllten und geputzten Lampen haben ihre Ölgefäße geleert. Sie haben kein Öl übrig und deshalb antworten sie: „Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst.“


Während sie hingingen, um Öl zu kaufen, ging der Brautzug vorüber und sie blieben zurück. Die fünf Jungfrauen mit den brennenden Lampen schlossen sich dem Zuge an und betraten mit dem Gefolge das Haus und die Tür wurde verschlossen.

Als die törichten Jungfrauen den Festsaal erreichten, wurde ihnen eine unerwartete Abweisung zuteil.

Der Gastgeber erklärte:

„Ich kenne euer nicht.“

Man ließ sie draußen stehen, auf der leeren Straße, im Dunkel der Nacht.


Während Christus auf die auf den Bräutigam wartende Gesellschaft blickte, erzählte er seinen Jüngern das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, indem er durch ihre Erfahrung die Erfahrung der Gemeinde veranschaulichte, die gerade vor seiner Wiederkunft leben wird.



Die zwei Arten der Wartenden stellen die zwei Klassen dar, welche behaupten, auf ihren Herrn zu warten. Sie werden Jungfrauen genannt, weil sie sich zu einem reinen Glauben bekennen.

Durch die Lampen wird das Wort Gottes dargestellt.

Der Psalmist sagt: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Psalm 119,105.


Das Öl ist das Sinnbild des heiligen Geistes.

In dieser Weise wird der Geist in der Prophezeiung Sacharjas dargestellt.

„Der Engel, der mit mir redete, kam wieder,“ sagte er, „und weckte mich auf, wie einer vom Schlaf erweckt wird, und sprach zu mir:

Was siehest du?

Ich aber sprach: ich sehe; und siehe, da stand ein Leuchter, ganz gülden, mit einer Schale obendrauf, daran sieben Lampen waren, und je sieben Röhren an einer Lampe; und zwei Ölbäume dabei, einer zur Rechten der Schale, der andre zur Linken. Und ich antwortete und sprach zu dem Engel, der mit mir redete:

Mein Herr, was ist das? …

Und er antwortete und sprach zu mir: Das ist das Wort des HERRN an Serubabel: es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth ...

Und ich antwortet zum andernmale und sprach zu ihm: Was sind die zwei Zweige der Ölbäume, welche stehen bei den zwei güldenen Rinnen, daraus das güldne Öl herabfließt? ...

Und er sprach: Es sind die zwei Ölkinder (‚die zwei Gesalbten‘, welche stehen bei dem Herrscher aller Lande.“ Sacharja 4,1-14.


Von den zwei Ölbäumen floß das goldene Öl durch die goldenen Röhren in die Schale des Leuchters und dann weiter in die goldenen Lampen, die das Heiligtum erleuchteten.

So wird auch durch die heiligen Wesen, die in der Gegenwart Gottes stehen, sein Geist den menschlichen Werkzeugen, die seinem Dienste geweiht sind, mitgeteilt.

Es ist die Aufgabe der zwei Gesalbten, dem Volke Gottes jene himmlische Gnade mitzuteilen, die allein sein Wort zu einer Leuchte unserer Füße und einem Licht auf unserem Pfade machen kann.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“



In dem Gleichnis gingen alle zehn Jungfrauen aus, um dem Bräutigam zu begegnen. Alle hatten Lampen und auch Ölbehälter. Eine Zeitlang konnte man keinen Unterschied zwischen ihnen sehen.

So ist es auch mit der Gemeinde, die gerade vor der Wiederkunft Christi lebt.

Alle haben Schriftkenntnis.

Alle haben die Botschaft gehört, daß das Kommen Christi nahe ist, und warten zuversichtlich auf sein Erscheinen.

Wie es aber im Gleichnis war, so ist es auch jetzt.

Es tritt eine Wartezeit ein; der Glaube wird geprüft, und wenn das Geschrei gehört wird:

„Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!“ so sind viele nicht bereit. Sie haben kein Öl in ihren Ölbehältern und in ihren Lampen. Sie ermangeln des heiligen Geistes.


Ohne den Geist Gottes nützt uns das Bekanntsein mit seinem Worte nichts.

Die Theorie der Wahrheit ohne den heiligen Geist kann die Seele nicht beleben und das Herz nicht heiligen.

Man mag mit den Geboten und Verheißungen der Bibel bekannt sein; wenn aber der Geist Gottes die Wahrheit nicht ins Herz prägt, wird der Charakter nicht verändert werden.

Ohne die Erleuchtung des heiligen Geistes werden die Menschen nicht die Wahrheit vom Irrtum unterscheiden können und werden unter den meisterhaften Versuchungen Satans fallen.



Die durch die törichten Jungfrauen dargestellten Menschen sind keine Heuchler.

Sie haben Achtung für die Wahrheit, befürworten dieselbe, fühlen sich hingezogen zu denen, welche die Wahrheit bekennen; aber sie haben sich nicht dem Wirken des heiligen Geistes hingegeben.

Sie sind nicht auf den Felsen Jesum Christum gefallen und haben ihre alte Natur nicht zerbrechen lassen. Diese Klasse wird auch durch die mit dem steinigen Boden verglichenen Hörer dargestellt. Sie nehmen das Wort bereitwillig an, aber sie unterlassen es, die Grundsätze desselben in die Tat umzusetzen. Der Einfluß ist kein bleibender.

Der Geist wirkt nach dem Maße an dem Herzen, wie der Mensch es verlangt und sich ihm hingibt, er bewirkt in ihm eine neue Natur; aber die durch die törichten Jungfrauen dargestellten Menschen sind mit einem oberflächlichem Wirken zufrieden.


Sie kennen Gott nicht, sie haben über seinen Charakter nicht nachgedacht, haben keine Gemeinschaft mit ihm gehabt und wissen deshalb nicht, wie sie ihm vertrauen, zu ihm aufblicken und leben sollen. Ihr Gottesdienst wird zu einer bloßen Form herabgewürdigt.

„Sie werden zu dir kommen in die Versammlung, und vor dir sitzen als mein Volk, und werden deine Worte hören, aber nichts darnach tun; sondern sie werden sie gern in ihrem Munde haben, und gleichwohl fortleben nach ihrem Geiz.“ Hesekiel 33,31.


Der Apostel Paulus weist darauf hin, daß dies besonders bei denen der Fall sein wird, die gerade vor der Wiederkunft Christi leben.

Er sagt:

„Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen sein, die von sich selbst halten, ... die mehr lieben Wollust denn Gott, die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie.“ 2.Timotheus 3,1-5.



Dies ist die Klasse von Menschen, die in der Zeit der Gefahr sagen werden:

„Es ist Friede, es hat keine Gefahr.“


Sie wiegen ihre Herzen in Sicherheit und träumen von keiner Gefahr.

Wenn sie aus ihrem Schlaf aufgerüttelt werden, erkennen sie, was ihnen mangelt, und bitten andere, ihrem Mangel abzuhelfen; aber in geistlichen Dingen kann niemand anderer Mängel ersetzen.

Die Gnade Gottes ist jeder Seele reichlich angeboten worden.

Die Evangeliumsbotschaft:

„Wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Offenbarung 22,17), ist laut verkündigt worden.


Der Charakter kann nicht übertragen werden.

Keiner kann für einen anderen glauben.

Keiner kann für einen anderen den Geist empfangen.

Keiner kann einem anderen den Charakter mitteilen, der die Frucht des Geistes ist. Und wenn auch „Noah, Daniel und Hiob wären drinnen (im Lande); so wahr ich lebe, spricht der HERR, HERR, würden sie weder Söhne noch Töchter, sondern allein ihre eigne Seele durch ihre Gerechtigkeit erretten.“ Hesekiel 14,20.



In einem Entscheidungspunkt (engl.: einer Krise) offenbart sich der Charakter.

Als die ernste Stimme um Mitternacht verkündigte:

„Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!“ und die schlafenden Jungfrauen aus ihrem Schlummer aufgeweckt wurden, da zeigte es sich, wer Vorbereitungen für dieses Ereignis getroffen hatte.

Beide Parteien wurden überrascht, aber eine war auf die Überraschung vorbereitet und die andere war unvorbereitet.

So wird auch jetzt eine plötzliche unerwartete Heimsuchung, etwas, was die Seele dem Tode ins Angesicht schauen läßt, zeigen, ob wirklicher Glaube an die Verheißungen Gottes vorhanden ist.

Es wird sich zeigen, ob die Seele sich allein auf die Gnade verläßt.

Die letzte große Prüfung kommt am Schluß der dem Menschengeschlecht gegebenen Gnadenzeit, wenn es zu spät sein wird für das, was die Seelen gebrauchen, zu sorgen.

Die zehn Jungfrauen warten am Abend der Geschichte dieser Welt.


Alle behaupten Christen zu sein.

Alle wurden berufen, alle haben einen Namen, eine Lampe, und alle behaupten, Gott zu dienen.

Alle warten anscheinend auf das Kommen Christi.

Aber fünf sind nicht bereit; fünf werden erschreckt und verwirrt außerhalb des Festsaals gefunden.


An dem letzten großen Tage werden viele Zutritt zum Reiche Christi verlangen und sagen: „Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehret.“

„Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt?

Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben?

Haben wir nicht in deinem Namen viel Taten getan?“

Aber die Antwort wird sein:

„Ich sage euch: Ich kenne euer nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir.“

Lukas 13,26.27.



Sie haben in diesem Leben keine Gemeinschaft mit Christo gehabt, deshalb kennen sie die Sprache des Himmels nicht; sie sind unbekannt mit der Freude desselben „Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Gottes.“ 1.Korinther 2,11.


Die traurigsten Worte, die jemals an die Ohren sterblicher Menschen drangen, sind die jenes Urteil enthaltenden Worte:

„Ich kenne euer nicht.“

Die Gemeinschaft des Geistes allein, die ihr vernachlässigt habt, könnte euch mit der freudigen Gesellschaft beim Hochzeitsmahl vereint haben. Ihr könnt an jenem Feste nicht teilnehmen.

Das Licht desselben würde auf geblendete Augen und die Festklänge würden auf taube Ohren fallen. Die bei demselben bekundete Liebe und Wonne würden in dem von der Welt betäubten Herzen keine Freude erwecken. Ihr seid vom Himmel ausgeschlossen, weil ihr für die Gesellschaft desselben nicht paßt.




Wir werden dadurch nicht bereit, dem Herrn zu begegnen, indem wir einfach, wenn der Ruf gehört wird: Siehe, der Bräutigam kommt!, aufwachen, und dann unsere leeren Lampen nehmen, um sie füllen zu lassen. Wir können nicht hier ein Leben ohne Christum führen und dennoch zubereitet sein für seine Gemeinschaft im Himmel.

Im Gleichnis hatten die klugen Jungfrauen Öl in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Ihr Licht brannte mit unverminderter Flamme die ganze Nacht des Wachens hindurch. Es vergrößerte die zu Ehren des Bräutigams veranstaltete Illumination.

In die Finsternis hinaus leuchtend, trug es dazu bei, den Weg zum Hause des Bräutigams, zum Hochzeitsfeste zu erleuchten.


So sollen auch die Nachfolger Christi Licht in die Finsternis der Welt werfen.

Durch den heiligen Geist wirkt das Wort Gottes wie ein Licht und wird im Leben dessen, der es annimmt, eine umbildende Kraft.

Indem der heilige Geist die Grundsätze des Wortes Gottes in die Herzen der Menschen einpflanzt, entwickelt er in ihnen die Eigenschaften Gottes.

Das Licht seiner Herrlichkeit, sein Charakter, soll aus seinen Nachfolgern heraus strahlen.

So sollen sie Gott verherrlichen, den Pfad zur Wohnung des Bräutigams, zur Stadt Gottes, zum Hochzeitsmahl des Lammes erhellen.



Der Bräutigam kam um Mitternacht, um die dunkelste Stunde.

So wird auch das Kommen Christi in der dunkelsten Zeit der Geschichte dieser Welt stattfinden.

Die Tage Noahs und Lots geben uns ein Bild von dem Zustand der Welt, wie er gerade vor der Wiederkunft des Menschensohnes sein wird.

Die Heilige Schrift erklärt betreffs dieser Zeit, daß Satan mit allen Kräften „und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit“ (2.Thessalonicher 2,9.10) wirken wird.

Sein Wirken zeigt sich klar durch die schnell zunehmende Finsternis, die zahlreichen Irrtümer, Ketzereien und Verführungen dieser letzten Tage.

Satan nimmt nicht nur die Welt gefangen, sondern seine Täuschungen und Verführungen durchsäuern sogar die sich zu unserem Herrn Jesu Christo bekennenden Gemeinden.

Der große Abfall wird sich zu einer Finsternis entwickeln, die so dunkel sein wird, wie die Mitternacht, so undurchdringlich, wie ein härener Sack. Diese Zeit wird für das Volk Gottes eine Nacht der Prüfung, eine Nacht des Weinens, eine Nacht der Verfolgung um der Wahrheit willen sein, aber aus jener Nacht der Finsternis wird das Licht Gottes hervorleuchten.




Er läßt „das Licht aus der Finsternis hervorleuchten“. 2.Korinther 4,6.

„Die Erde war wüste und leer, und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.“ 1.Mose 1,2.3.

So erklingt auch in der Nacht geistlicher Finsternis das Wort Gottes:

„Es werde Licht.“

Zu seinem Volke sagt er: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN gehet auf über dir.“ Jesaja 60,1.

„Denn siehe,“ sagt die Schrift, „Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der HERR, und seine

Herrlichkeit erscheinet über dir.“ Jesaja 60,2.


Es ist die Verkennung Gottes, welche die Welt in Finsternis einhüllt.

Die Menschen verlieren ihre Kenntnisse über Gottes Charakter.

Derselbe wird mißverstanden und fälschlich gedeutet.

Zu dieser Zeit soll eine Botschaft von Gott verkündigt werden, eine Botschaft, die einen erleuchtenden Einfluß und eine errettende Kraft hat.

Gottes Charakter soll bekannt gemacht werden.

In die Finsternis dieser Welt soll das Licht seiner Herrlichkeit, das Licht seiner Güte, Barmherzigkeit und Wahrheit leuchten.

Dies Werk beschreibt der Prophet Jesaja:

„Jerusalem, du Predigerin, heb deine Stimme auf mit Macht, heb auf, und fürchte dich nicht; sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott! Denn siehe, der HERR, HERR kommt gewaltiglich, und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm.“ Jesaja 40,9.10.



Die auf das Kommen des Bräutigams warten, sollen dem Volke sagen:

„Sehet euren Gott!“

Die letzten Strahlen des Gnadenlichtes, die letzte Botschaft der Barmherzigkeit, die der Welt gegeben werden sollen, sind eine Offenbarung seines Charakters, der Liebe ist.

Die Kinder Gottes sollen seine Herrlichkeit kundtun.

In ihrem Leben und ihrem Charakter sollen sie offenbaren, was die Gnade Gottes für sie getan hat.


Das Licht der Sonne der Gerechtigkeit soll in guten Werken ausstrahlen, in Worten der Wahrheit und heiligen Handlungen.

Christus, der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, kam als das Licht der Welt auf diese Erde.

Er kam, um Gott den Menschen darzustellen, und von ihm steht geschrieben, daß er gesalbt wurde „mit dem heiligen Geiste und Kraft“ und „umhergezogen ist, und hat wohlgetan“. Apostelgeschichte 10,38.


In der Schule zu Nazareth sagte er: „Der Geist des HERRN ist bei mir, darum daß er mich gesalbet hat; er hat mich gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, und zu verkündigen das angenehme Jahr des HERRN.“ Lukas 4,18.19.



Dies war das Werk, das er seinen Jüngern auftrug.

„Ihr seid das Licht der Welt,“ sagte er.

„Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen, und euren Vater im Himmel preisen.“ Matthäus 5,14.16.


Dies ist das Werk, welches der Prophet Jesaja beschreibt, wenn er sagt:

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die, so im Elend sind, führe ins Haus; so du einen nackt siehest, so kleide ihn, und entzieh dich nicht von deinem Fleisch. Alsdann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Besserung wird schnell wachsen, und deine Gerechtigkeit wird vor dir her gehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird dich zu sich nehmen.“ Jesaja 58,7.8.



Also soll in der Nacht geistlicher Finsternis die Herrlichkeit Gottes durch seine Gemeinde ausgestrahlt werden, indem sie die Niedergebeugten emporhebt und die Trauernden tröstet.

Überall um uns herum hören wir Wehklagen über das Elend dieser Erde.

Auf allen Seiten gibt es Bedürftige und Notleidende.

Es ist unsere Pflicht, dazu beizutragen, daß das Elend und die Not dieses Lebens gelindert werden.


Praktische Hilfe wird viel wirksamer sein als das bloße Predigen.

Wir sollen den Hungrigen Speise geben, die Nackten bekleiden und die Heimatlosen beherbergen.

Ja, wir sind berufen, noch mehr als dies zu tun.

Die Bedürfnisse der Seele können nur durch die Liebe Christi befriedigt werden. Wenn Christus in uns wohnt, werden unsere Herzen voll göttlichen Mitleids sein; die versiegelten Quellen ernster, Christi ähnlicher Liebe werden entsiegelt werden.

Gott verlangt nicht nur, daß wir den Bedürftigen unsere Gaben geben, sondern auch, daß wir ihnen ein fröhliches Antlitz zeigen, hoffnungsvolle Worte zu ihnen reden und ihnen liebevoll und warm die Hand drücken.

Als Christus die Kranken heilte, legte er seine Hände auf sie.

So sollten auch wir in nahe Berührung mit denen kommen, denen wir nützen wollen.



Es gibt viele, die keine Hoffnung mehr haben; bringt ihnen wiederum Sonnenschein. Viele haben den Mut verloren; redet tröstende, aufmunternde Worte zu ihnen, betet für sie.

Andere haben das Brot des Lebens nötig; lest ihnen aus dem Worte Gottes vor.

Viele leiden an einer Seelenkrankheit, für die es keinen irdischen Balsam gibt, und die keine ärztliche Heilkunst erreichen kann; betet für diese Seelen, bringt sie zu Jesu!

Sagt ihnen, daß es einen Balsam in Gilead und einen Arzt gibt, der heilen kann.


Das Licht ist ein über das ganze Weltall sich erstreckender Segen, der seine Schätze auf eine undankbare, unheilige und entartete Welt ausgießt.

So ist es auch mit dem Licht der Sonne der Gerechtigkeit.

Die ganze Erde, die in der Finsternis der Sünde, in Kummer und Schmerz eingehüllt ist, soll durch die Erkenntnis der Liebe Gottes erleuchtet werden.

Das vom Throne Gottes scheinende Licht soll keiner Sekte, keinem Range, keiner Klasse der Bevölkerung vorenthalten werden.


Die Botschaft der Gnade und der Hoffnung soll bis an die Enden der Erde getragen werden.

Wer da will, kann seine Hand ausstrecken, die Kraft Gottes ergreifen und Frieden mit ihm machen und er wird Frieden haben.

Die Heiden sollen nicht länger in mitternächtlicher Finsternis eingehüllt sein.

Das Dunkel soll vor den hellen Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit verschwinden. Die Macht der Hölle ist überwunden worden.



Aber niemand kann etwas mitteilen, was er selbst noch nicht empfangen hat.

Im Werke Gottes vermag das Menschliche nichts.

Kein Mensch kann sich durch seine eigenen Anstrengungen zu einem Lichtträger Gottes machen.

Durch das goldene Öl, welches von den himmlischen Boten in die goldenen Röhren gegossen wurde, um von der goldenen Schale in die Lampen des Heiligtums geleitet zu werden, entstand ein beständiges, hell leuchtendes Licht.

Es ist die dem Menschen beständig zuteil werdende Liebe Gottes, die ihn befähigt, anderen Licht mitzuteilen.

In den Herzen aller, die durch den Glauben mit Gott verbunden sind, fließt beständig das goldenen Öl der Liebe, um dann in guten Werken und in einem wirklichen von Herzen kommenden Dienst für Gott offenbar zu werden.

In der großen, unermeßlichen Gabe des heiligen Geistes sind alle Hilfsquellen des Himmels enthalten.

Es liegt nicht an Gott, daß die Reichtümer seiner Gnade nicht zu den Menschen auf diese Erde hernieder fließen.

Wären alle willig, den Geist Gottes anzunehmen, so würden alle mit demselben erfüllt werden.



Es ist das Vorrecht einer jeden Seele, ein lebendiger Kanal zu sein, durch welchen Gott der Welt die Schätze seiner Gnade, den unerforschlichen Reichtum Christi, mitteilen kann.

Christus wünscht nichts so sehr, als Werkzeuge zu haben, die der Welt seinen Geist und seinen Charakter darstellen; und es gibt nichts, dessen die Welt so sehr bedarf, als einer Offenbarung der Liebe des Heilandes durch Menschen.

Der ganze Himmel verlangt nach Kanälen, durch welche das heilige Öl fließen könne, um menschlichen Herzen zur Freude und zum Segen zu gereichen.


Christus hat alle möglichen Vorkehrungen getroffen, seine Gemeinde zu einem Leib umzugestalten, der erleuchtet durch das Licht der Welt die Herrlichkeit Immanuels besitzt.

Es ist seine Absicht, daß ein jeder Christ von einer geistlichen Atmosphäre des Lichtes und des Friedens umgeben sein soll.

Er wünscht, daß seine eigene Freude sich in unserem Leben offenbaren möchte.

Das Innewohnen des Geistes wird durch das Ausfließen himmlischer Liebe bekundet werden.

Die göttliche Fülle wird durch das Gott geweihte, menschliche Werkzeug strömen, um anderen mitgeteilt zu werden.



Die Sonne der Gerechtigkeit hat „Heil unter ihren Flügeln“.

Also wird von einem jeden wahren Jünger ein Einfluß zum Leben, Mut, Nützlichsein und zur wahren Heilung ausgehen.

Die Religion Christi bedeutet mehr als Vergebung der Sünden; sie bedeutet ein Hinweg nehmen unserer Sünden und ein Erfüllt werden mit den Gnadengaben des heiligen Geistes.

Sie bedeutet göttliche Erleuchtung, Freude in Gott.

Sie bedeutet ein vom eigenen Ich entleertes Herz, das mit der bleibenden Gegenwart Christi gesegnet ist.

Wenn Christus in der Seele herrscht, dann ist dort Reinheit und Freiheit von Sünde. Die Herrlichkeit, die Fülle, die Vollkommenheit des Evangeliumsplanes wird im Leben bekundet.

Die Annahme des Heilandes bringt vollkommenen Frieden, vollkommene Liebe und eine vollkommene Sicherheit.

Die im Leben offenbarte Schönheit und der süße Duft des Charakters Christi bezeugen, daß Gott in der Tat seinen Sohn in diese Welt gesandt hat, um ihr Heiland zu sein.

Jesus gebietet seinen Nachfolgern nicht, darnach zu streben, daß sie leuchten möchten.

Er sagt: Laßt euer Licht leuchten.

Wenn ihr die Gnade Gottes angenommen habt, so ist das Licht in euch.

Entfernt die Hindernisse, und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden.

Das Licht wird hervorbrechen, um die Finsternis zu durchdringen und zu zerstreuen und ihr werdet innerhalb des Bereiches eures Einflusses leuchten.



Die in Menschengestalt geoffenbarte Herrlichkeit Gottes wird die Menschen so eng mit dem Himmel verbinden, daß die den inneren Tempel schmückende Schönheit in einer jeden Seele gesehen werden wird, in welcher der Heiland wohnt.

Die Menschen werden durch die Herrlichkeit eines innewohnenden Christus gefesselt werden, und in Strömen von Lob- und Danksagungen seitens der vielen Seelen, die in dieser Weise für Gott gewonnen wurden, wird die Herrlichkeit des großen Gebers erhöht werden.


„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die

Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir.“ Jesaja 60,1.


Diese Botschaft wird denen gegeben, die ausgehen, dem Bräutigam zu begegnen. Christus kommt in Kraft und großer Herrlichkeit.

Er kommt in seiner eigenen Herrlichkeit und in der Herrlichkeit seines Vaters.

Er kommt und alle heiligen Engel mit ihm.

Während die ganze Welt in Finsternis liegt, wird in einer jeden Wohnung der Heiligen Licht sein.

Die ersten Lichtstrahlen bei seinem zweiten Erscheinen werden auf sie fallen.

Das reine, lautere Licht wird von seiner Herrlichkeit ausstrahlen, und Christus, der Erlöser, wird von allen, die ihm gedient haben, bewundert werden.

Während die Gottlosen von seiner Gegenwart fliehen, werden seine Nachfolger sich freuen.

Der Patriarch Hiob, mit seinem Glaubensauge die Zeit der Wiederkunft Christi erblickend, sagte:

„Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.“ Hiob 19,27.



Seinen getreuen Nachfolgern ist Christus ein täglicher Begleiter und vertrauter Freund gewesen. Sie haben in innigstem Verkehr, in beständiger Gemeinschaft mit Gott gelebt.

Über ihnen ist die Herrlichkeit des Herrn aufgegangen.

In ihnen hat sich das Licht der Erkenntnis, der Herrlichkeit Gottes im Angesichte Jesu Christi widergespiegelt. Jetzt erfreuen sie sich der ungetrübten Strahlen der Klarheit und der Herrlichkeit des Königs in seiner Majestät.

Sie sind vorbereitet für die Gemeinschaft des Himmels; denn sie haben den Himmel in ihren Herzen.


Mit erhobenen Häuptern, mit den hellen Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit über ihnen leuchtend, sich freuend, daß ihre Erlösung sich naht, gehen sie aus, dem Bräutigam entgegen, und sagen:

„Siehe, das ist unser Gott, auf den wir harren, und er wird uns helfen.“ Jesaja 25,9.



„Und ich hörte als eine Stimme einer großen Schar und als eine Stimme großer Wasser und als eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen.

Lasset uns freuen und fröhlich sein, und ihm die Ehre geben! denn die Hochzeit des Lammes ist kommen, und sein Weib hat sich bereitet.

Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind.“

„Es ist der HERR aller Herren, und der König aller Könige, und mit ihm die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ Offenbarung 19,6-9; Offenbarung 17,14


Christi Gleichnisse

Kapitel 29:

Dem Bräutigam entgegen gehen

Auf der Grundlage von Matthäus 25,1-13.

 

Ellen G. White – Eine Prophetin Gottes

Bücher von Ellen Gould White als PDF

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