Sagen und Tun



Christi Gleichnisse

Kapitel 22:

Sagen und Tun

Auf der Grundlage von Matthäus 21,23-32.


 

„Es hatte ein Mann zwei Söhne, und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge. Er antwortete aber und sprach: Ich will‘s nicht tun. Darnach reute es ihn, und ging hin. Und er ging zum andern und sprach gleich also. Er antwortete aber und sprach: Herr, ja! Und ging nicht hin. Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste.“ In der Bergpredigt sagte Christus: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ Matthäus 7,21.


Der Beweis der Redlichkeit liegt nicht in Worten, sondern in Taten. Christus sagt nicht zu den Menschen: Was sagt ihr Sonderliches, sondern: „Was tut ihr Sonderliches?“ Matthäus 5,47. Seine Worte: „So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr‘s tut“ (Johannes 13,17), sind voll von Bedeutung. Worte sind von keinem Werte, wenn sie nicht von angemessenen Handlungen begleitet werden. Das ist die Lehre, die uns in dem Gleichnis von den zwei Söhnen gegeben wird. Dies Gleichnis wurde bei dem letzten Besuch, den Christus vor seinem Tode in Jerusalem machte, gesprochen.

Er hatte die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel getrieben; seine Stimme hatte in der Kraft Gottes zu ihren Herzen gesprochen. Bestürzt und erschreckt hatten sie seinem Gebot ohne Entschuldigung oder Widerstand gehorcht.

Als die Priester und Ältesten sich von ihrem Schreck erholt hatten, waren sie wieder nach dem Tempel zurückgekehrt und hatten dort Christum gefunden, wie er die Kranken und Sterbenden heilte. Sie hatten Freudenstimmen und Lobpreisungen gehört. Im Tempel selbst schwenkten Kinder, die er geheilt hatte, Palmzweige und sangen dem Sohne Davids Hosianna. Kleine Kinder lispelten das Lob des starken und mächtigen Arztes.

Doch den Priestern und Ältesten genügte alles dieses nicht, um ihr Vorurteil und ihre Eifersucht zu überwinden. Als Christus am nächsten Tage im Tempel lehrte, traten die Hohenpriester und Ältesten im Volk zu ihm und sagten:

„Aus was für Macht tust du das? Und wer hat dir die Macht gegeben?“


Die Priester und Ältesten hatten unverkennbare Beweise von der Macht Christi gehabt. Sie hatten bei der Reinigung des Tempels die Autorität Gottes aus seinem Angesicht strahlen gesehen. Sie konnten der Kraft, mit welcher er sprach, nicht widerstehen. Auch in den wunderbaren, von ihm verrichteten Heilungen hatte er ihre Fragen beantwortet. Er hatte ihnen Beweise für seine Autorität gegeben, die sie nicht in Abrede stellen konnten.

Aber sie wollten keinen Beweis. Sie wollten Jesum veranlassen, sich als den Messias auszugeben, damit sie seine Worte mißdeuten und das Volk gegen ihn erregen könnten. Sie wünschten seinen Einfluß zu vernichten um ihn zu töten. Jesus wußte, daß, wenn sie Gott nicht in ihm erkennen oder den Beweis seines göttlichen Charakters nicht in seinen Werken sehen konnten, sie auch seinem eigenen Zeugnis, daß er der Messias sei, nicht glauben würden.


Er wich deshalb der Antwort aus, zu der sie ihn zu veranlassen hofften und drehte den Spieß gegen sie. „Ich will euch auch ein Wort fragen,“ sagte er, „so ihr mir das saget, so will ich euch auch sagen, aus was für Macht ich das tue. Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen?“

Die Priester und Obersten waren in Verlegenheit. „Da gedachten sie bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie sei vom Himmel gewesen, so wird er zu uns sagen: Warum glaubtet ihr ihm denn nicht? Sagen wir aber, sie sei von Menschen gewesen, so müssen wir uns vor dem Volk fürchten; denn sie halten alle Johannes für einen Propheten.

Und sie antworteten Jesu und sprachen: Wir wissen‘s nicht. Da sprach er zu ihnen: so sage ich euch auch nicht, aus was für Macht ich das tue.“


„Wir wissen‘s nicht.“ Diese Antwort war eine Lüge. Aber die Priester sahen recht gut ein, in welcher Lage sie sich befanden, und nahmen ihre Zuflucht zur Lüge, um sich zu schützen. Johannes der Täufer war gekommen und hatte Zeugnis betreffs desjenigen abgelegt, dessen Autorität sie jetzt in Frage stellten. Er hatte auf ihn hingewiesen und gesagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Johannes 1,29.


Er hatte ihn getauft, und als Christus nach der Taufe betete, hatte sich der Himmel geöffnet und der Geist Gottes hatte gleich einer Taube auf ihm geruht während man eine Stimme vom Himmel sagen hörte: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.“ Matthäus 3,17.


Eingedenk dessen, wie Johannes die auf den Messias bezüglichen Prophezeiungen wiederholt hatte, eingedenk jener Szene bei der Taufe Jesu, wagten die Priester und Obersten nicht zu sagen, daß die Taufe des Johannes vom Himmel sei. Wenn sie Johannes als einen Propheten anerkennen würden, wofür sie selbst ihn hielten, wie könnten sie dann sein Zeugnis, daß Jesus von Nazareth der Sohn Gottes sei, in Abrede stellen? Sie wagten aber auch nicht zu sagen, daß die Taufe des Johannes von Menschen sei, weil das Volk glaubte, daß Johannes ein Prophet war. So sagten sie denn: „Wir wissen‘s nicht.“

Darauf gab Christus das Gleichnis von dem Vater und den zwei Söhnen. Als der Vater zu dem ersten Sohne ging und zu ihm sagte: „Gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge,“ da antwortete der Sohn ohne weiteres Nachdenken: „Ich will‘s nicht tun.“

Er weigerte sich zu gehorchen, weil er sich gottlosem Wesen und schlechten Gesellschaften hingegeben hatte; aber später reute es ihn und der kam dem Wunsche seines Vaters nach. Der Vater ging zum zweiten Sohn und gab ihm dasselbe Gebot: „Gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge!“

Dieser Sohn antwortete: „Herr, ja,“ ging aber nicht hin. In diesem Gleichnis stellt der Vater Gott und der Weinberg die Gemeinde dar.


Durch die beiden Söhne werden zwei Klassen von Menschen veranschaulicht. Der Sohn, der sich weigert, dem Gebot zu gehorchen und seinem Vater antwortete „Ich will‘s nicht tun,“ stellte diejenigen dar, welche in offener Übertretung lebten, ohne vorzugeben, fromm zu sein, und sich offen weigerten, sich unter das Joch des Gehorsams und der Einschränkung ihrer natürlichen Neigungen zu begeben, welche das Gesetz Gottes auferlegt.

Aber viele von diesen bereuten es später und gehorchten dem Rufe Gottes. Als ihnen das Evangelium gepredigt wurde in der Botschaft Johannes des Täufers: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeikommen“ (Matthäus 3,2), da bereuten viele und bekannten ihre Sünden. In dem Sohne, welcher sagte: „Herr, ja“, aber nicht ging, wurde der Charakter der Pharisäer offenbart. Diesem Sohne gleich waren die jüdischen Leiter unbußfertig und dünkelhaft.

Das religiöse Leben des jüdischen Volkes war zur bloßen Form geworden. Als auf dem Berge Sinai durch die Stimme Gottes das Gesetz verkündigt wurde, da gelobte das ganze Volk, gehorchen zu wollen. Sie sagten: „Herr, ja,“ gingen aber nicht.

Als Jesus persönlich kam, um ihnen die Grundsätze des Gesetzes vorzuführen, da verwarfen sie ihn. Christus hatte den jüdischen Leitern seiner Zeit reichliche Beweise seiner Autorität und göttlichen Macht gegeben; aber obgleich sie überzeugt waren, wollten sie doch die Beweise nicht annehmen.

Christus hatte ihnen gezeigt, daß sie im Unglauben beharrten, weil sie nicht den Geist hatten, der zum Gehorsam führt. Er hatte ihnen gesagt: „Und habt also Gottes Gebot aufgehoben um eurer Aufsätze willen … Aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebote sind.“ Matthäus 15,6.9.


In der Schar, die vor Christo stand, waren Schriftgelehrte und Pharisäer, Priester und Oberste; und nachdem Christus das Gleichnis von den zwei Söhnen gegeben hatte, richtete er an seine Zuhörer die Frage: „Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan?“

Sich selbst vergessend antworteten die Pharisäer: „Der erste.“

Sie sagten dies, ohne zu erkennen, daß sie sich hiermit selbst das Urteil sprachen. Dann kam von den Lippen Jesu die Drohung: „Wahrlich, ich sage euch: die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr. Johannes kam zu euch, und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr‘s wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm darnach auch geglaubt hättet.“

Johannes der Täufer kam und predigte die Wahrheit und durch sein Predigen wurden Sünder überzeugt und bekehrt. Diese würden eher in das Himmelreich kommen, als jene, die in Selbstgerechtigkeit der feierlich-ernsten Warnung widerstanden. Die Zöllner und Huren waren unwissend, aber diese gelehrten Männer kannten den Weg der Wahrheit. Dennoch weigerten sie sich, auf dem Pfade zu wandeln, der zum Paradiese Gottes führt.

Die Wahrheit, die ihnen ein Geruch des Lebens zum Leben hätte sein sollen, wurde ihnen ein Geruch des Todes zum Tode. Offenkundige Sünder, die sich selbst verabscheuten, hatten von Johannes dem Täufer die Taufe

empfangen; aber diese Lehrer waren Heuchler.

Ihre eigenen verstockten Herzen hielten sie von der Annahme der Wahrheit zurück. Sie widerstrebten dem Geiste Gottes, der sie überführen wollte. Sie weigerten sich, den Geboten Gottes zu gehorchen. Christus sagte ihnen nicht: Ihr könnt nicht in das Himmelreich eingehen; aber er zeigte, daß das Hindernis, welches sie davon abhielt, in ihnen selbst lag.


Die Tür stand diesen jüdischen Leitern noch immer offen; ihnen galt die Einladung immer noch. Es verlangte Christus darnach, sie überzeugt und bekehrt zu sehen. Die Priester und Ältesten Israels brachten ihr Leben mit religiösen Zeremonien zu, die sie als zu heilig betrachteten, um sie mit weltlichen Geschäften zu verbinden. Deshalb glaubte man, daß ihr Leben ein durchaus religiöses sei. Aber sie verrichteten diese Zeremonien, um von Menschen gesehen zu werden, damit sie von der Welt für fromm und gottesfürchtig gehalten würden. Während sie vorgaben, zu gehorchen, weigerten sie sich, Gott Gehorsam zu leisten.

Sie waren nicht Täter der Wahrheit, die sie vorgaben zu lehren. Christus erklärte, daß Johannes der Täufer einer der größten Propheten sei und zeigte seinen Zuhörern, daß sie genügend Beweise dafür gehabt hätten, daß Johannes ein von Gott gesandter Bote sei.

Die Worte des Predigers in der Wüste waren gewaltig. Furchtlos verkündigte er seine Botschaft, rügte die Sünden der Priester und Obersten und machte es ihnen zur Pflicht, für das Reich Gottes zu wirken. Er zeigte ihnen ihre sündige Mißachtung der Autorität des Vaters, wenn sie sich weigerten, das ihnen aufgetragene Werk zu tun; er ließ sich in keinen Ausgleich mit der Sünde ein und viele wandten sich von ihrer Ungerechtigkeit.

Wäre das Bekenntnis der jüdischen Leiter wahr und echt gewesen, so würden sie das Zeugnis des Johannes nicht verworfen, sondern Jesum als den Messias angenommen haben. Aber sie zeigten keine Früchte der Buße und Gerechtigkeit. Gerade die, welche sie verachteten, drangen vor ihnen ins Reich Gottes ein. Im Gleichnis stellt der Sohn, welcher sagte: „Herr, ja,“ sich als treu und gehorsam hin; aber die Zeit offenbarte, daß dies Bekenntnis nicht aufrichtig war. Er hatte keine wahre Liebe zu seinem Vater.

So brüsteten sich auch die Pharisäer mit ihrer Heiligkeit, aber in der Prüfung stellte es sich heraus, daß sie derselben ermangelten. Wenn es zu ihrem Nutzen war, nahmen sie es mit den Forderungen des Gesetzes sehr genau, wenn aber von ihnen selbst Gehorsam verlangt wurde, dann wußten sie durch listige Trugschlüsse den Vorschriften Gottes alle Kraft abzusprechen.

Deshalb sagt Christus von ihnen: „Nach ihren Werken sollt ihr nicht tun; sie sagen‘s wohl, und tun‘s nicht.“ Matthäus 23,3.


Sie hatten keine wahre Liebe zu Gott oder Menschen. Gott berief sie zu seinen Mitarbeitern, der Welt zum Segen, aber, während sie scheinbar dem Rufe folgten, verweigerten sie in ihren Taten den Gehorsam. Sie vertrauten auf sich selbst und brüsteten sich mit ihren guten Eigenschaften, setzten aber die Gebote Gottes beiseite. Sie weigerten sich, das Werk zu verrichten, zu welchem Gott sie berufen hatte und ihrer Übertretung wegen war der Herr im Begriff, sich von dem ungehorsamen Volk zu trennen.

Selbstgerechtigkeit ist keine wahre Gerechtigkeit und wer daran festhält, wird die Folgen tragen müssen, welche das Festhalten an einer Täuschung mit sich bringt. Es gibt auch heutzutage viele, die vorgeben, den Geboten Gottes zu gehorchen, die aber nicht die Liebe Gottes in ihren Herzen haben, um sie andern wieder mitzuteilen. Christus beruft sie, sich mit ihm in seinem Werke zur Rettung der Welt zu vereinigen, doch sie geben sich damit zufrieden, daß sie sagen: „Herr, ja.“

Sie gehen aber nicht. Sie arbeiten nicht mit denen, die das Werk Gottes betreiben. Sie sind Müßiggänger. Dem ungetreuen Sohne gleich machen sie Gott falsche Versprechungen. Als sie sich durch das feierliche Bündnis der Gemeinde anschlossen, gelobten sie, das Wort Gottes anzunehmen, demselben zu gehorchen und sich dem Dienste Gottes zu weihen, aber sie tun dies nicht.


In ihrem Bekenntnis geben sie vor, Kinder Gottes zu sein, aber im Leben und Charakter verleugnen sie diese Verwandtschaft. Sie übergeben Gott nicht ihren Willen. Ihr Leben ist eine Lüge. Sie scheinen das Versprechen des Gehorsams zu erfüllen, wenn dies kein Opfer bedingt; wenn aber Selbstverleugnung und Selbstaufopferung gefordert werden, wenn sie sehen, daß es gilt das Kreuz zu tragen, dann ziehen sie sich zurück.

Auf diese Weise schwindet das Pflichtgefühl und eine wissentliche Übertretung der Gebote Gottes wird zur Gewohnheit. Das Ohr mag Gottes Wort hören, aber die geistige Auffassungskraft ist geschwunden. Das Herz ist verhärtet, das Gewissen abgestumpft. Denke nicht, daß du schon dem Herrn Christo dienst, wenn du keine entschiedene Feindschaft gegen ihn zeigst.

Auf diese Weise betrügen wir unsere eigenen Seelen.Wenn wir unserem Gott das vorenthalten, was er uns zur Benutzung in seinem Dienste gegeben hat, sei es Zeit, seien es Geldmittel, oder irgend andere uns anvertraute Gaben, so arbeiten wir gegen ihn.

Satan benutzt die gleichgültige, schläfrige Trägheit vorgeblicher Christen, um seine Streitmächte zu stärken und Seelen für sich zu gewinnen. Viele, welche glauben, daß sie, wenngleich sie nicht direkt für Christum wirken, doch auf seiner Seite sind, geben dem Feind Gelegenheit Fuß zu fassen und Vorteile zu gewinnen.

Indem sie es unterlassen, fleißig für den Meister zu wirken, indem sie Pflichten ungetan und Worte ungesprochen lassen, erlauben sie Satan die Herrschaft über Seelen zu gewinnen, welche für Christum hätten gewonnen werden können. So lange wir träge und untätig sind, können wir niemals gerettet werden.

Eine wahrhaft bekehrte Person kann kein nutzloses Leben führen; sie wird versuchen, andern zu nützen und zu helfen. Es ist nicht möglich, sich gemächlich in den Himmel tragen zu lassen.

Kein Faulenzer kann dort Zutritt finden.


Wenn wir nicht darnach ringen, Zutritt zum Reiche zu bekommen, wenn wir nicht ernstlich suchen, um zu erfahren, was seine Gesetze sind, sind wir nicht zur Teilnahme am Reiche geschickt. Menschen, die sich weigern, auf Erden Mitarbeiter Gottes zu sein, würden auch im Himmel nicht mit ihm zusammenwirken. Es würde nicht ratsam sein, sie in den Himmel zu nehmen. Es ist mehr Hoffnung für Zöllner und Sünder vorhanden, als für solche, die das Wort Gottes wissen, sich aber weigern, demselben zu gehorchen. Ein Mensch, der sich selbst als Sünder sieht, dessen Sünden nicht versteckt werden können, der weiß, daß er an Seele, Körper und Geist verdorben vor Gott steht, wird von Furcht ergriffen, auf ewig vom Himmelreiche ausgeschlossen zu werden. Er erkennt seinen kranken Zustand an und sucht Heilung bei dem großen Arzt, der gesagt hat: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Johannes 6,37.


Solche Seelen kann der Herr als Arbeiter in seinem Weinberge benutzen. Der Sohn, der sich eine Zeitlang weigerte, seines Vaters Gebot zu gehorchen, wurde nicht von Christo verdammt, aber auch nicht als Vorbild hingestellt. Die Klasse von Menschen, welche so handelt wie der erste Sohn, und sich weigert Gehorsam zu leisten, verdient kein Lob für ihre Handlungsweise.

Ihre Offenheit darf nicht als eine Tugend angesehen werden. Geheiligt durch Wahrheit und Heiligkeit, würde sie die Menschen zu kühnen Zeugen für Christum machen, aber in der Art und Weise, wie sie von dem Sünder benutzt wird, ist sie beleidigend und herausfordernd, und grenzt an Lästerung. Ein Mensch, der kein Heuchler ist, ist dadurch noch nicht ohne Sünde. Wenn die Stimme des heiligen Geistes zu unserem Herzen spricht, dann gibt es für uns nur die einzige Sicherheit, ihr ohne Zögern Gehör zu schenken. Wenn dir der Ruf kommt: „Gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge,“ so weise die Einladung nicht ab. „Heute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht.“ Hebräer 4,7.


Es ist gefährlich, den Gehorsam aufzuschieben. Vielleicht hört man die Einladung nie wieder. Niemand schmeichle sich, daß Sünden, denen man sich eine Zeitlang hingibt, später so nach und nach leicht aufgegeben werden können. Dem ist nicht so. Eine jede Sünde schwächt den Charakter und stärkt die Gewohnheit, und körperliche, geistige und sittliche Entartung ist die Folge. Ihr mögt das Unrecht, das ihr getan habt, bereuen und eure Füße auf rechte Pfade setzen; aber die eurem Gemüte gegebene Richtung und eure Vertrautheit mit dem Bösen werden es schwierig für euch machen, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden.

Durch die eingewurzelten, unrechten Gewohnheiten wird Satan euch immer wieder angreifen. Durch das Gebot: „Gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge,“ wird die Aufrichtigkeit einer jeden Seele geprüft. Werden dort eben so wohl Handlungen als auch Worte sein?


Wird der Berufene alle seine Kenntnisse benutzen und treu und selbstlos für den Eigentümer des Weinberges arbeiten? Der Apostel Petrus belehrt uns betreffs des Planes, nach welchem wir wirken müssen. „Gott gebe euch viel Gnade und Frieden,“ sagt er, „durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unsers Herrn! Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dienet, uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, durch welche uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind, nämlich, daß ihr dadurch teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt: so wendet allen euren Fleiß daran, und reichet dar in eurem Glauben Tugend, und in der Tugend Erkenntnis, und in der Erkenntnis Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe.“ 2.Petrus 1,2-7.


Wenn du den Weinberg deiner Seele treulich bearbeitest, so macht Gott dich zu seinem Mitarbeiter, und du wirst nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere ein Werk zu tun haben. Indem Christus die Gemeinde als den Weinberg darstellt, lehrt er nicht, daß wir unser Mitgefühl und unser Wirken auf unsere eigenen Glieder beschränken sollen. Der Weinberg des HERRN soll vergrößert werden. Gott wünscht, daß er nach allen Teilen der Erde ausgedehnt werde. Indem wir von Gott belehrt werden und Gnade von ihm empfangen, sollten wir andere lehren, wie die köstlichen Pflanzen zu behandeln sind.

In der Weise können wir den Weinberg des HERRN ausdehnen. Gott wartet auf Beweise unseres Glaubens, unserer Liebe und unserer Geduld. Er beobachtet, ob wir alle uns gewordenen geistlichen Vorteile benutzen, um tüchtige Arbeiter in seinem Weinberge hier auf Erden zu werden, damit wir in das Paradies Gottes, jenes Heim in Eden, aus welchem Adam und Eva um ihrer Übertretung willen ausgeschlossen wurden, eingehen können. Gott nimmt seinem Volke gegenüber die Stellung eines Vaters ein, und als solcher hat er Ansprüche auf unsere treuen Dienste. Betrachten wir das Leben Christi!


Er, der an der Spitze der Menschheit steht und seinem Vater dient, gibt uns ein Beispiel davon, was ein jeder Sohn sein sollte und auch sein kann. Der Gehorsam, den Christus leistet, fordert Gott auch heute von den Menschen. Christus diente seinem Vater in Liebe, mit willigem Herzen. „Deinen Willen, mein Gott, tu ich gerne,“ sagte er, „und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.“ Psalm 40,9. Ihm war kein Opfer zu groß, keine Arbeit zu schwer, um das Werk aufzurichten, wozu er gekommen war. Im Alter von zwölf Jahren sagte er: „Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?“ Lukas 2,49.


Er hatte den Ruf gehört und das Werk unternommen. „Meine Speise,“ sagte er „ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.“ Johannes 4,34.


So sollen auch wir Gott dienen. Der allein dient, der in vollkommenem Gehorsam handelt. Alle, die Söhne und Töchter Gottes sein wollen, müssen sich als Mitarbeiter Gottes und Christi und der himmlischen Engel erweisen. Hiernach wird eine jede Seele geprüft werden. Von denen, die ihm treu dienen, sagt der Herr: „Sie sollen ... des Tages, den ich machen will, mein Eigentum sein; und ich will ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schonet, der ihm dienet.“ Maleachi 3,17.


Der im Ratschluß Gottes liegende große Zweck ist, die Menschen zu prüfen und ihnen Gelegenheit zu geben, einen Charakter zu entwickeln. Er prüft, ob sie seinen Geboten gehorchen wollen oder nicht. Gute Werke erkaufen uns nicht die Liebe Gottes; aber sie offenbaren, daß wir diese Liebe besitzen. Wenn wir unsern Willen Gott übergeben, werden wir nicht wirken, um die Liebe Gottes zu verdienen.

Seine Liebe wird als eine freie Gabe in die Seele aufgenommen und, gedrungen von dieser Liebe, werden wir seinen Geboten gern gehorsam sein. Es gibt heute nur zwei Klassen in der Welt, und auch im Gericht werden nur zwei Klassen anerkannt werden, die, welche Gottes Gesetz übertreten, und die, welche demselben gehorchen. Christus sagt uns, woran wir unsere Treue oder unsere Untreue erkennen können. „Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote ...

Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist‘s, der mich liebet. Wer mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.“

„So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe.“ Johannes 14,15-24; Johannes 15,10.


Ellen Gould White

Christi Gleichnisse

Sagen und Tun

Auf der Grundlage von Matthäus 21,23-32.

 

Ellen G. White – Eine Prophetin Gottes

Bücher von Ellen Gould White als PDF

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