Es ging ein Sämann aus zu säen



Das Säen des Samens

„Der Same ist das Wort Gottes.“ Lukas 8,11.

Kapitel 2:

„Es ging ein Sämann aus zu säen“

 

Auf der Grundlage von Matthäus 13,1-9.18-25; Markus 4,1-20; Lukas 8,4-15.

Der Sämann und der Same

Durch das Gleichnis vom Sämann stellt Christus das Himmelreich und das Werk des großen Ackermannes für sein Volk dar. Wie ein Sämann ins Feld geht zu säen, so kam Jesus, um den Samen himmlischer Wahrheiten auszustreuen, und seine Lehren in Gleichnissen waren der Same, in welchem die köstlichen Gnadenbotschaften ausgestreut wurden. Von dem natürlichen Samen, der auf das Erdreich gestreut wird, wünscht Christus unsere Gedanken auf den Evangeliumssamen zu lenken, durch dessen Aussaat der Mensch wieder zur Treue gegen Gott zurückgebracht wird. Der Herrscher des Himmels gab das Gleichnis von dem kleinen Samenkorn; und dieselben Gesetze, die das Säen des irdischen Samens regieren, regieren auch das Säen des Samens der Wahrheit.

Dort, am Galiläischen Meer hatte sich eine Schar versammelt, um Jesum zu sehen und zu hören, eine begierige, erwartungsvolle Schar, in deren Mitte Kranke auf ihren Matten lagen und sich darnach sehnten, ihm ihr Bedürfnis vorzulegen.

Ihm stand das Recht von Gott zu, die Leiden des sündigen Menschengeschlechts zu heilen, daher gebot er jetzt der Krankheit zu weichen, und verbreitete Leben, Gesundheit und Frieden um sich her. Als die Menge beständig wuchs und die Leute sich nahe an Christum drängten, blieb kein Raum mehr für andere.

Er trat deshalb, indem er den Männern in ihren Fischerbooten ein paar Worte zurief, in das Schiff, welches bereit lag, um ihn auf die andere Seite des Sees zu bringen, gebot seinen Jüngern, ein wenig vom Lande abzustoßen und redete vom Boot aus zu der am Ufer versammelten Menge.

An dem Ufer des Sees lag die schöne Ebene Genezareth, darüber hinaus erhoben sich die Hügel, und an deren Seiten sowie auch in der Ebene waren Sämänner und Schnitter, die einen mit dem Ausstreuen des Samens und die andern mit dem Einheimsen des frühen Getreides beschäftigt. Im Hinblick darauf sagte Christus:

„Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel, und fraßen‘s auf; etliches fiel in das Steinige, da es nicht viel Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, ward es dürre. Etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten‘s. Etliches fiel auf ein gut Land und trug Frucht, etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig, etliches dreißigfältig.“

Matthäus 13,3-8.

 

Die Mission Christi wurde von den Menschen seinerzeit nicht verstanden. Die Art und Weise seines Kommens entsprach nicht ihren Erwartungen. Der Herr Jesus war die Grundlage der ganzen jüdischen Einrichtung, deren erhabener Gottesdienst von Gott angeordnet worden war und das Volk lehren sollte, daß zu der bestimmten Zeit der kommen würde, auf den die Zeremonien hinwiesen.

Aber die Juden hatten den ganzen Wert auf die Formen und Zeremonien gelegt, und dabei ihren eigentlichen Zweck aus den Augen verloren. Die Überlieferungen, Satzungen und menschlichen Anordnungen verhüllten ihnen die Lehren, die Gott durch diese Zeremonien ihnen beibringen wollte. Diese Überlieferungen und Vorschriften wurden ihrem Verständnis und der Ausübung wahrer Religion nur ein Hindernis, und als die Wirklichkeit in der Person Christi erschien, da erkannten sie in ihm nicht die Erfüllung aller ihrer Vorbilder, nicht das Wesen aller ihrer Schatten. Sie verwarfen das Gegenbild und hielten an ihren Vorbildern und nutzlosen Zeremonien fest und fuhren fort, obgleich der Sohn Gottes gekommen war, um ein Zeichen zu bitten.

Ihre Antwort auf die Botschaft: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Matthäus 3,2), war die Forderung eines Wunders; das Evangelium Christi wurde ihnen zum Stein des Anstoßes, weil sie nach Zeichen anstatt nach einem Heilande verlangten. Sie erwarteten, daß der Messias seine Ansprüche durch mächtige Siege beweisen und sein Reich auf den Trümmern irdischer Reiche aufrichten werde.

Als Antwort auf diese Erwartung gab Christus das Gleichnis vom Sämann. Nicht durch Macht der Waffen, nicht durch gewaltsame Vermittlung sollte das Reich Gottes den Sieg davontragen, sondern durch das Einpflanzen eines neuen Grundsatzes in die Herzen der Menschen.

„Des Menschen Sohn ist‘s, der da guten Samen sät.“

Matthäus 13,37.

 

Christus war gekommen, nicht als König, sondern als Sämann; nicht um Königreiche zu stürzen, sondern um Samen auszustreuen; nicht um seine Nachfolger auf irdische Triumphe und nationale Größe hinzuweisen, sondern auf eine Ernte, die nach geduldiger Arbeit, unter Verlust und Enttäuschungen eingeheimst werden wird.

Die Pharisäer verstanden wohl die Bedeutung des von Christo gegebenen Gleichnisses, aber die darin liegende Lehre war ihnen unwillkommen und deshalb taten sie, als ob sie dieselbe nicht verständen. Der großen Masse aber wurde die Absicht des neuen Lehrers, dessen Worte ihre Herzen so eigentümlich bewegten und ihre ehrgeizigen Bestrebungen so bitter enttäuschten, in ein noch größeres Geheimnis gehüllt.

Selbst die Jünger hatten das Gleichnis nicht verstanden, doch war ihr Interesse erweckt worden und sie kamen zu Jesu besonders und baten ihn um eine Erklärung.

Dies Verlangen zu erwecken, war gerade der Wunsch Jesu, damit er ihnen eingehendere Unterweisungen geben könnte. Er erklärte ihnen das Gleichnis, wie er allen, die ihn aufrichtigen Herzens bitten, sein Wort klar machen wird.

Diejenigen, die das Wort Gottes mit dem herzlichen Verlangen nach Erleuchtung durch den heiligen Geist studieren, werden betreffs der Bedeutung des Wortes nicht in Dunkelheit bleiben.

„So jemand will des Willen tun,“ sagte Christus, „der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.“

Johannes 7,17.

 

Alle die mit dem Verlangen nach einer klareren Erkenntnis der Wahrheit zu Christo kommen, werden sie auch erhalten; er wird ihnen die Geheimnisse des Himmelreichs entfalten, und diese Geheimnisse werden von dem Herzen, das darnach verlangt, die Wahrheit zu erkennen, verstanden werden.

Ein himmlisches Licht wird in den Seelentempel hineinscheinen und wird anderen offenbar werden wie das helle Licht einer Lampe auf dem dunklen Pfad. „Es ging ein Sämann aus zu säen.“

Im Orient waren die Zustände so unsicher und ungeregelt, und die Gefahr der Gewalttaten war so groß, daß die Bevölkerung meistens in mit Mauern umgebenen Städten wohnte und die Ackerleuchte täglich hinausgingen, um außerhalb der Stadtwälle ihre Arbeit zu verrichten.

So ging auch Christus, der himmlische Sämann, aus zu säen: er verließ sein sicheres, friedliches Heim, verließ die Herrlichkeit, die er bei dem Vater hatte, ehe die Welt war, und entsagte seiner Stellung auf dem Throne des Weltalls.

Er ging hinaus, als ein Mann des Leidens, einsam und allein und der Versuchung ausgesetzt, um für eine gefallene Welt den Samen des Lebens mit Tränen zu säen und ihn mit seinem Blute zu begießen. In gleicher Weise müssen auch seine Knechte ausgehen, um zu säen.

Als Abraham berufen ward, den Samen den Wahrheit zu säen, wurde ihm geboten:

„Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“

1.Mose 12,1.

„Und ging aus, und wußte nicht, wo er hinkäme.“

Hebräer 11,8.

 

So erhielt auch der Apostel Paulus, als er im Tempel zu Jerusalem betete, die göttliche Weisung:

„Gehe hin, denn ich will dich ferne unter die Heiden senden.“ Apostelgeschichte 22,21.

Also müssen alle, die berufen werden, sich mit Christo vereinigen, alles verlassen, um ihm nachzufolgen; alte Verbindungen müssen abgebrochen, Lebenspläne aufgegeben und alle irdischen Hoffnungen begraben werden. Unter Arbeit und mit Tränen, in der Einsamkeit und mit Aufopferung muß der Same gesät werden.

„Der Sämann sät das Wort.“

Christus kam, um in der Welt Wahrheit zu säen.

Seit dem Sündenfall hat Satan immerdar den Samen des Irrtums gesät. Durch eine Lüge erlangte er zuerst die Herrschaft über den Menschen, und in derselben Weise wirkt er auch noch, um das Reich Gottes auf Erden zu stürzen und die Menschen unter seine Macht zu bringen.

Als ein Sämann aus einer höheren Welt kam Christus, um den Samen der Wahrheit zu säen. Er, der am Ratschluß Gottes teilgenommen und im innersten Heiligtum des Ewigen gewohnt hatte, konnte den Menschen die reinen Grundsätze der Wahrheit bringen. Seitdem der Mensch gefallen ist, hat Christus der Welt beständig die Wahrheit offenbart.

Durch ihn wird der unvergängliche Same, nämlich das lebendige „Wort Gottes, das da ewiglich bleibet“ (1.Petrus 1,23), mitgeteilt.

Schon in jener ersten Verheißung, die unserm gefallenen Geschlecht im Garten Eden gegeben wurde, säte Christus den Evangeliumssamen. Doch das Gleichnis vom Sämann bezieht sich besonders auf sein persönliches Wirken unter den Menschen und auf das Werk, welches er dadurch gründete.

Das Wort Gottes ist der Same. Aller Same hat einen Lebenskeim in sich, in welchem das Leben der Pflanze sozusagen eingeschlossen liegt. Gleicherweise ist auch Leben im Worte Gottes.

 

Christus sagt:

„Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben.“

Johannes 6,63.

„Wer mein Wort höret, und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben.“

Johannes 5,24.

 

In einem jeden Gebot und in einer jeden Verheißung des Wortes Gottes liegt die Kraft, das Leben Gottes selbst, durch welche das Gebot erfüllt und die Verheißung verwirklicht werden kann.

Wer im Glauben das Wort annimmt, empfängt direkt das Leben und den Charakter Gottes. Ein jedes Samenkorn bringt Frucht nach seiner Art. Wenn man den Samen unter den richtigen Bedingungen sät, so wird er ein Leben nach seiner Art in der Pflanze entwickeln.

Gleicherweise wird auch der unvergängliche Same des Wortes, der im Glauben in die Seele aufgenommen ist, einen Charakter und ein Leben hervorbringen, welche dem Charakter und dem Leben Gottes ähnlich sind. Die Lehrer Israels säten den Samen des Wortes Gottes nicht.

Das Werk Christi als eines Lehrers der Wahrheit war in einem entschiedenen Gegensatz zu dem der Rabbiner seiner Zeit. Sie bestanden auf den Überlieferungen, auf menschlichen Theorien und Anschauungen, stellten das, was ein Mensch über das Wort gelehrt oder geschrieben hatte, oft über das Wort selbst und ihre Lehren hatten keine Kraft, die Seele zu beleben.

Christus aber lehrte und predigte das Wort Gottes; denen die ihn durch Fragen verwirren wollten, antwortete er mit einem:

„Es steht geschrieben“; „Was sagt die Schrift?“ „Wie liesest du?“

Bei jeder Gelegenheit, gleichviel ob durch Freund oder Feind das Interesse erweckt worden war, säte er den Samen des Wortes. Der, welcher die Wahrheit und das Leben, das lebendige Wort selbst ist, weist auf die Heilige Schrift und sagt:

„Sie ist‘s, die von mir zeuget.“

Johannes 5,39.

Und „von Mose und allen Propheten anfangend, legte er seinen Jüngern alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren“.

Lukas 24,27.

 

Die Diener Christi sollen dasselbe Werk tun. In unserer Zeit werden, wie vor alters, die lebendigen Wahrheiten des Wortes Gottes beiseite gesetzt, und menschliche Theorien und Anschauungen an ihrer Statt angenommen. Viele, die sich Prediger des Evangeliums nennen, nehmen nicht die ganze Bibel als das von Gott eingegebene Wort an; ein weiser Mann verwirft einen Teil, und ein anderer stellt einen andern Teil in Frage.

Sie setzen ihr Urteil über das Wort, und die Schrift, welche sie lehren, ruht auf ihrer eigenen Autorität, und somit wird der Glaube an ihren göttlichen Ursprung vernichtet. Auf diese Weise wird der Same des Unglaubens allenthalben gesät, denn die Leute werden verwirrt und wissen nicht mehr, was sie glauben sollen.

Vieles wird geglaubt, wozu die Menschen gar keinen Grund haben. So legten die Rabbiner zur Zeit Christi vielen Teilen der Heiligen Schrift einen geheimnisvollen, dunklen erzwungenen Sinn unter. Weil die klaren Lehren des Wortes Gottes ihre Handlungsweise verdammten, versuchten sie die Kraft desselben abzuschwächen.

Dasselbe geschieht auch heute. Man stellt das Wort Gottes als etwas Geheimnisvolles und Dunkles dar, um die Übertretung des göttliches Gesetzes zu entschuldigen. Diese Handlungsweise tadelte Christus; er lehrte, daß das Wort Gottes von allen verstanden werden sollte. Er wies hin auf die Schrift als auf eine unbestreitbare Autorität, und wir sollten dasselbe tun.

Die Bibel soll als das Wort des ewigen Gottes, als das Ende aller Streitfragen und das Fundament alles Glaubens dargestellt werden. Die Bibel ist ihrer Kraft beraubt worden und die Folgen zeigen sich im Dahinschwinden des geistlichen Lebens.

In den Predigten, die heutzutage von vielen Kanzeln ertönen, ist nicht jene göttliche Kraft, welche das Gewissen erweckt und der Seele Leben gibt. Die Zuhörer können nicht sagen:

„Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete?“

Lukas 24,32.

 

Viele verlangen nach dem lebendigen Gott und sehnen sich nach der göttlichen Gegenwart, aber philosophische Theorien oder literarische Abhandlung, so prächtig sie auch sein mögen, können das Herz nicht befriedigen; Behauptungen und Erfindungen von Menschen haben keinen Wert. Das Wort Gottes muß zu den Menschen reden.

Wer nur Überlieferungen, menschliche Theorien und Vorschriften gehört hat, muß die Stimme dessen hören, dessen Wort die Seele zum ewigen Leben erneuern kann.

Das Lieblingsthema Christi war die väterliche Liebe und die Gnadenfülle Gottes; er sprach viel über die Heiligkeit seines Charakters und seines Gesetzes, und stellte sich selbst den Menschen als den Weg, die Wahrheit und das Leben dar. Die Prediger Christi sollten diese Dinge auch zu ihrem Thema nehmen. Verkündigt die Wahrheit, wie sie in Jesu ist; erklärt die Forderungen des Gesetzes und des Evangeliums; erzählt den Leuten von Christi Selbstverleugnung und Aufopferung, von seiner Demütigung und seinem Tode, von seiner Auferstehung und Himmelfahrt, von seiner Fürsprache für sie vor dem Throne Gottes und von seiner Verheißung:

Ich will „wiederkommen und euch zu mir nehmen“.

Johannes 14,3.

 

Anstatt irrige Theorien zu erörtern oder zu versuchen Gegner des Evangeliums Christi zu bekämpfen, folgt dem Beispiel Christi. Laßt frische Wahrheiten aus dem Schatzhause Gottes aufflammen ins Leben. „Predigt das Wort.“ „Säet allenthalben an den Wassern,“ „es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit.“ „Wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? Spricht der HERR.“ „Alle Worte Gottes sind durchläutert ... Tue nichts zu seinen Worten, daß er dich nicht strafe, und werdest lügenhaft erfunden.“ 2.Timotheus 4,2; Jesaja 32,20; Jeremia 23,28; Sprüche 30,5.6.

„Der Sämann sät das Wort.“

 

Hier wird der große Grundsatz dargelegt, welcher aller Erziehungsarbeit zugrunde liegen sollte. „Der Same ist das Wort Gottes.“

Aber in vielen Schulen heutzutage wird das Wort Gottes beiseite gesetzt; andere Gegenstände beschäftigen den Geist, das Studium ungläubiger Schriftsteller nimmt einen großen Platz in dem jetzigen Erziehungssystem ein. Die Lesebücher in den Schulen enthalten ungläubige Gedanken.

Auch wissenschaftliche Forschungen leiten irre, weil ihre Entdeckungen mißdeutet und verkehrt werden.

Das Wort Gottes wird mit mutmaßlichen Lehren der Wissenschaft verglichen und als unsicher und unzuverlässig hingestellt. So wird der Same des Zweifels in die Gemüter der Jugend gepflanzt, der dann zur Zeit der Versuchung aufgeht.Wenn der Glaube an das Wort Gottes verloren ist, dann hat die Seele keinen Führer, keinen Leiter; die Jugend gerät auf Abwege, welche von Gott und dem ewigen Leben entfernen.

Die allenthalben um sich greifende Gottlosigkeit in unserer Zeit ist in einem hohen Grade gerade dieser Ursache beizumessen. Wenn das Wort Gottes beiseite gesetzt wird, so wird damit auch die Kraft desselben, die sündigen Leidenschaften des natürlichen Herzens zu dämpfen, verworfen. Die Menschen säen auf ihr Fleisch und ernten vom Fleisch das Verderben. Hier liegt auch die große Ursache geistiger Schwäche und Unfähigkeit. Indem man sich von Gottes Wort abwendet und sich von den Schriften nicht inspirierter Menschen nährt, verkümmert der Geist, weil er nicht in Berührung mit den tiefen, viel umfassenden Grundsätzen der ewigen Wahrheit gebracht wird.

Das Verständnis paßt sich den Dingen an, mit deren Erfassen es sich vertraut macht. Gibt es sich mit vergänglichen Dingen ab, so wird es so geschwächt und seine Kraft schrumpft so zusammen, daß es mit der Zeit jeder weiteren Ausdehnung unfähig ist. Solch eine Erziehung ist eine ganz unrichtige.

Ein jeder Lehrer sollte es sich zur Aufgabe machen, die Gemüter der Jugend auf die großen Wahrheiten der Heiligen Schrift zu lenken, denn nur sie wirkt eine Erziehung, welche für dieses und für das zukünftige Leben wesentlich ist. Man denke ja nicht, daß dies das Studium der Wissenschaften hindern oder einen minderwertigen Bildungsgrad zur Folge haben werde.

Die Kenntnisse, die Gott mitteilt, sind so hoch wie der Himmel und so umfassend wie das Weltall. Nichts veredelt und belebt so sehr, als das Studium der großen Dinge, die unser ewiges Leben betreffen. Wenn die Jugend gelehrt wird, diese von Gott gegebenen Wahrheiten zu erfassen und zu begreifen, dann wird ihre Fassungskraft sich erweitern und erstarken, und jeder Schüler, der ein Täter des Wortes ist, wird in ein größeres Feld des Denkens versetzt und sichert sich einen Schatz der Erkenntnis, welcher unvergänglich ist.

Die Bildung, welche man durch Forschen in der Heiligen Schrift erlangen soll, besteht in einer Erkenntnis des Erlösungsplanes aus eigener Erfahrung. Eine solche Bildung wird das Ebenbild Gottes in der Menschenseele wiederherstellen, wird sie gegen Versuchungen stärken und festigen und den Lernenden befähigen, ein Mitarbeiter in seinem Werk der Gnade für die Welt zu werden.

Sie wird ihn zu einem Gliede der himmlischen Familie machen und ihn vorbereiten, am Erbteil der Heiligen im Licht teilzunehmen. Aber der Lehrer göttlicher Wahrheit kann nur das mitteilen, was er selbst durch Erfahrung weiß. „Der Sämann säte seinen Samen.“ Christus lehrte die Wahrheit, weil er die Wahrheit war. Sein eigenes Denken, sein Charakter, seine Lebenserfahrungen waren in seinen Lehren verkörpert. So sollte es auch mit seinen Dienern sein.

Diejenigen, welche das Wort lehren wollen, müssen es sich durch persönliche Erfahrung zu eigen machen, müssen wissen, was es bedeutet, daß Christus ihnen zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung gemacht ist.

Wenn sie das Wort Gottes verkündigen, so sollten sie es nicht als etwas Zweifelhaftes oder etwas Fragliches hinstellen; sie sollten vielmehr mit dem Apostel Petrus sagen:

„Denn wir sind nicht klugen Fabeln gefolget, da wir euch kundgetan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi, sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.“

2.Petrus 1,16.

Ein jeder Prediger Christi und ein jeder Lehrer sollte imstande sein, mit dem geliebten Johannes zu sagen:

„Das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater, und ist uns erschienen.“ 1.Johannes 1,2.

 

Der Boden - Am Wege

Im Gleichnis vom Sämann haben wir es hauptsächlich mit der Wirkung zu tun, welche der Boden, in den das Samenkorn gesät worden ist, auf das Wachstum desselben ausübt. Durch das Gleichnis sagte Jesus tatsächlich zu seinen Zuhörern: Es ist nicht gut für euch, als Kritiker meines Werkes dazustehen, oder euch der Enttäuschung hinzugeben, weil es nicht euren Ideen entspricht.

Die Frage von größter Wichtigkeit für euch ist: Wie nehmt ihr die Botschaft auf? Euer ewiges Schicksal hängt davon ab, ob ihr sie aufnehmt oder ob ihr sie verwerft.

In der Erklärung des Samens, welcher an den Weg fiel, sagte er: „Wenn jemand das Wort von dem Reich höret und nicht verstehet, so kommt der Arge und reißet hinweg, was da gesät ist in sein Herz; und das ist der, bei welchem an dem Wege gesät ist.“

Matthäus 13,19.

 

Der am Wege gesäte Same stellt das Wort Gottes dar, wenn es auf das Herz des unaufmerksamen Zuhörers fällt. Dem harten, von den Füßen der Menschen und Tiere festgetretenen Pfad ist das Herz gleich, welches zur Landstraße für das irdische Jagen und Treiben, für die Vergnügungen und Sünden dieser Welt geworden ist.

Indem es in selbstsüchtigem Streben und sündigen Leidenschaften aufgeht, wird es „durch Betrug der Sünde“ (Hebräer 3,13) verhärtet; die geistigen Fähigkeiten werden gelähmt.

Solche Menschen hören wohl das Wort, aber sie verstehen es nicht; sie merken nicht, daß es auf sie Anwendung hat. Sie sehen weder ihre Bedürfnisse noch ihre Gefahr; auch erkennen sie nicht die Liebe Christi und lassen seine Gnadenbotschaft an sich vorübergehen als etwas, das sie nichts angeht.

Wie die Vögel bereit sind, den Samen am Wege aufzupicken, so steht auch Satan bereit, den Samen göttlicher Wahrheit von der Seele wegzunehmen. Er fürchtet, daß das Wort Gottes die Achtlosen aufwecken und auf das verhärtete Herz einwirken möchte. Satan und seine Engel wohnen den Versammlungen bei, wo das Evangelium gepredigt wird, und während Engel vom Himmel versuchen, das Herz durch das Wort Gottes zu rühren, ist auch der Feind auf seinem Posten, um das Wort wirkungslos zu machen. Mit allem Ernst, dem nur seine Bosheit gleich kommt, versucht er das Wirken des Geistes Gottes zu durchkreuzen.

Während Christus eine Seele durch seine Liebe zieht, versucht Satan dieselbe von dem Heiland abzulenken, indem er die Gedanken mit weltlichen Plänen füllt, zur Kritik anregt oder zu Zweifel und Unglauben verleitet. Des Redners Sprache oder die Art und Weise seines Auftretens gefällt zuweilen den Zuhörern nicht und ihre Aufmerksamkeit wird von diesen Mängeln in Anspruch genommen, und so kommt es, daß die Wahrheit, derer sie bedürfen und die Gott ihnen so gnädiglich sendet, keinen dauernden Eindruck auf sie macht.

Satan hat viele Gehilfen.

Viele geben vor Christen zu sein, und helfen dennoch dem Versucher, den Samen der Wahrheit aus dem Herzen anderer fortzunehmen; andere lauschen der Predigt des Wortes Gottes und kritisieren zu Hause darüber. Sie urteilen über eine Predigt, wie sie ihre Meinung über einen Vortrag oder über eine politische Rede abgeben würden.

Die Botschaft, die als das Wort des HERRN an sie betrachtet werden sollte, wird mit Geringschätzung oder spöttischen Bemerkungen besprochen.

Des Predigers Charakter, Beweggründe und Handlungen, sowie das Verhalten einiger Gemeindeglieder bilden häufig das Thema der Unterhaltung. Man urteilt strenge, wiederholt Verleumdungen und Klatschereien, oft selbst vor den Ohren der Unbekehrten; oder Eltern reden solches in Gegenwart ihrer Kinder.

Auf diese Weise wird die Achtung vor den Boten Gottes und die Ehrfurcht vor ihrer Botschaft zerstört und viele werden gelehrt, das Wort Gottes mit Geringschätzung anzusehen. So werden in den Familien derer, die sich zu Christo bekennen, viele junge Leute zu Ungläubigen erzogen; und die Eltern fragen sich dann, warum ihre Kinder so wenig Interesse am Evangelium haben und so bereit sind, die Bibelwahrheit zu bezweifeln.

Sie wundern sich darüber, daß es so schwierig ist, durch moralische und religiöse Einflüsse auf sie einzuwirken; sie sehen nicht, daß ihr eigenes Beispiel die Herzen ihrer Kinder verhärtet hat.

Der gute Same findet keinen Platz, um Wurzel zu fassen, und Satan nimmt ihn wieder weg.

 

Auf das Steinige

„Das aber auf das Steinige gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort höret, und dasselbige alsbald aufnimmt mit Freuden; aber er hat nicht Wurzel in ihm, sondern er ist wetterwendisch; wenn sich Trübsal und Verfolgung erhebt um des Worts willen, so ärgert er sich bald.“

Matthäus 13,20.21.

Der auf steinigen Boden gesäte Same findet nur wenig Erde. Die Pflanze schießt zwar schnell empor; aber die Wurzel kann nicht durch den Felsen dringen, um Nahrung zur Förderung ihres Wachstums zu finden, und sie kommt bald um.

Viele, die bekennen Christen zu sein, sind nur Hörer, bei welchen der Same auf steiniges Erdreich gefallen ist.

Dem unter der dünnen Erdschicht liegenden Felsen gleich liegt die Selbstsucht des natürlichen Herzens unter den guten Wünschen und Bestrebungen.

Die Liebe zum eigenen Ich ist nicht besiegt. Sie haben das außerordentlich Sündhafte der Sünde nicht erkannt und das Herz ist unter dem Gefühl seiner Schuld nicht gedemütigt worden. Diese Klasse könnte überzeugt und auch bekehrt werden, aber ihre Religion ist zu oberflächlich.

Die Menschen fallen nicht ab, weil sie das Wort zu schnell aufnehmen oder sich desselben zu sehr freuen. Matthäus stand sofort auf, als er den Ruf des Heilandes hörte, verließ alles und folgte ihm nach. Gott wünscht, daß wir das göttliche Wort aufnehmen sobald es zu unseren Herzen kommt, und es ist recht, daß wir es mit Freuden aufnehmen. Es wird „Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut“ (Lukas 15,7), und es ist Freude in der Seele, die an Christum glaubt.

Aber diejenigen, von denen im Gleichnis gesagt wird, daß sie das Wort alsbald aufnehmen, überschlagen die Kosten nicht; sie erwägen nicht, was das Wort Gottes von ihnen fordert; sie stellen es nicht allen ihren Lebensgewohnheiten gegenüber und unterwerfen sich nicht völlig der Oberherrschaft desselben.

Die Wurzeln dringen tief ins Erdreich hinein und nähren, unseren Augen verborgen, das Leben der Pflanze. So verhält es sich auch mit dem Christen. Durch die durch den Glauben bewirkte unsichtbare Vereinigung der Seele mit Christo wird das geistige Leben genährt, aber die Hörer, bei denen der Same auf steinigen Boden gefallen ist, vertrauen auf sich selbst anstatt auf Christum. Sie stützen sich auf ihre guten Werke und guten Beweggründe und sind stark in ihrer eigenen Gerechtigkeit, aber nicht stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke.

Ein solcher „hat nicht Wurzel in ihm“, denn er ist nicht mit Christo verbunden. Die heiße Sommersonne, welche das kräftige Getreide stärkt und reift, vernichtet das, was keine tiefen Wurzeln hat. So ist es auch mit dem Menschen, der „nicht Wurzel in ihm“ hat; „er ist wetterwendisch“ und „wenn sich Trübsal und Verfolgung erhebt um des Worts Willen, so ärgert er sich bald.“

Viele nehmen das Evangelium an, vielmehr um dadurch Leiden zu entgehen, als um dadurch von der Sünde erlöst zu werden: sie freuen sich eine Zeitlang, weil sie glauben, daß die Religion sie von Schwierigkeiten und Prüfungen befreien wird. Solange alles ohne weitere Störungen vorangeht, mag es scheinen, als ob sie wahre Christen seien, aber unter der feurigen Probe der Versuchung werden sie schwach; sie können um Christi willen keine Schmach tragen.

Wenn das Wort Gottes ihnen eine von ihnen genährte Sünde zeigt, oder Selbstverleugnung oder Opfer fordert, so ärgern sie sich; es kostet zu viel Anstrengung, eine gründliche Änderung in ihrem Leben zu machen, und indem sie auf die gegenwärtigen Unbequemlichkeiten und Schwierigkeiten blicken, vergessen sie die ewigen Wirklichkeiten.

Den Jüngern gleich, die Jesum verließen, sind auch sie bereit zu sagen: „Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören?“

Johannes 6,60.

 

Sehr viele geben vor, Gott zu dienen, ohne ihn durch persönliche Erfahrung kennengelernt zu haben. Ihr Wunsch, seinen Willen zu tun, gründet sich auf ihre eigenen Neigungen und nicht auf die vom heiligen Geiste gewirkte tiefe Überzeugung; ihr Leben ist nicht im Einklang mit dem Gesetze Gottes; sie bekennen wohl Christum als ihren Heiland, aber sie glauben nicht, daß er ihnen Kraft gibt, ihre Sünden zu überwinden. Sie stehen in keinem persönlichen Verhältnis zu einem lebendigen Heiland, und ihre Charaktere offenbaren sowohl angeerbte, wie auch anerzogene Fehler.

Die Kraft des heiligen Geistes im allgemeinen anzuerkennen oder sein Wirken als Überführer der Sünde, durch welches er zur Buße leitet, anzunehmen, sind zwei grundverschiedene Dinge. Viele fühlen sich von Gott entfremdet; sie sind sich der Knechtschaft der Sünde und des eigenen Ichs bewußt; sie bestreben sich, umzukehren und anders zu leben, aber sie kreuzigen das eigene Ich nicht, geben sich nicht völlig in die Hände Christi und bitten nicht um göttliche Kraft, seinen Willen zu tun. Sie sind nicht willens, sich nach dem göttlichen Ebenbilde umbilden zu lassen. Im allgemeinen erkennen sie ihre Unvollkommenheiten an, aber sie lassen nicht ab von ihren besonderen Sünden.

Mit jeder ungerechten Handlung gewinnt die alte sündige Natur an Stärke. Die einzige Hoffnung für diese Seelen ist, an sich selbst die Wahrheit der Worte zu erfahren, die Christus zu Nikodemus sprach:

„Ihr müßt von neuem geboren werden.“ „Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Johannes 3,7.3.

 

Wahre Heiligung ist ungeteilte völlige Hingabe im Dienste Gottes und sie ist wiederum die Bedingung zu dem wahren christlichen Leben. Christus fordert eine rückhaltlose Hingabe, einen ungeteilten Dienst. Er fordert das Herz, den Verstand, die Seele, die Kraft.

Das eigene Ich soll nicht gehegt und gepflegt werden. Wer sich selbst lebt, ist kein Christ. Die Liebe muß die Triebfeder aller Handlungen sein. Die Liebe ist die Grundlage der Regierung Gottes im Himmel und auf Erden und muß auch die Grundlage des christlichen Charakters sein.

Dies allein kann den Christen standhaft machen und ihn bewahren; dies allein kann ihn befähigen, den Schwierigkeiten und den Versuchungen zu widerstehen. Liebe aber offenbart sich im Opfer. Der Erlösungsplan beruht auf einem Opfer, einem Opfer so groß, so tief und so hoch, daß es unermeßlich ist. Christus gab alles für uns dahin, und wer Christum annimmt, wird bereit sein, alles um des Erlösers willen aufzuopfern.

Der Gedanke, ihn zu ehren und ihn zu verherrlichen, wird allen andern voranstehen.

Wenn wir Jesum lieben, werden wir auch gern für ihn leben, gern ihm unsern Dank darbringen und gern für ihn arbeiten. Für ihn zu wirken wird uns leicht sein; uns wird darnach verlangen, um seinetwillen zu leiden, zu dulden und uns abzumühen. Wir werden mit ihm um das Seelenheil der Menschheit besorgt sein, werden dieselbe warme Liebe für Seelen haben, die er hatte.

Dies ist die Religion Christi, alles, was daran zu kurz kommt, ist eine Täuschung. Nicht die Theorie der Wahrheit, auch nicht das Bekenntnis der Jüngerschaft wird irgend eine Seele retten.Wir gehören nicht zu Christo, wenn wir nicht völlig sein sind. Gerade durch die Halbherzigkeit im christlichen Leben werden die Menschen schwach in ihrem Vorhaben und veränderlich in ihren Wünschen.

Das Bestreben, dem eigenen Ich und zugleich auch Christo zu dienen, macht den Menschen nur zu einem Hörer, der mit dem steinigen Boden verglichen und nicht fest stehen wird, wenn die Prüfung an ihn herantritt.

 

Unter die Dornen

„Was aber unter die Dornen gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort höret und die Sorge dieser Welt und Betrug des Reichtums ersticket das Wort und bringet nicht Frucht.“

Matthäus 13,22.

Der Same des Evangeliums fällt oft unter Dornen und schädliches Unkraut, und wenn nicht eine moralische Umbildung im menschlichen Herzen stattfindet, wenn nicht alte Gewohnheiten und das frühere Sündenleben aufgegeben werden, wenn die charakteristischen Eigenschaften Satans nicht aus der Seele entfernt werden, dann wird das Weizenkorn erstickt.

Dornen wachsen auf zur Ernte und vernichten den Weizen. Die Gnade kann nur in dem Herzen gedeihen, das beständig für den köstlichen Samen der Wahrheit bereitet wird. Die Dornen der Sünde können in irgend einem Boden wachsen; sie bedürfen keiner besonderen Bearbeitung, aber die Gnade muß sorgfältig gehegt und gepflegt werden. Die Dornen wachsen zu jeder Zeit auf und man muß beständig an der Arbeit sein, um sie zurückzuhalten.

Wenn das Herz nicht unter der Herrschaft Gottes steht, wenn der heilige Geist nicht unaufhörlich am Wirken ist, um den Charakter zu läutern und zu veredeln, werden die alten Gewohnheiten sich immer wieder offenbaren. Die Menschen mögen bekennen, dem Evangelium zu glauben; wenn sie aber durch dasselbe nicht geheiligt werden, dann nützt ihr Bekenntnis nichts.

Wenn sie nicht den Sieg über die Sünde gewinnen, dann gewinnt die Sünde den Sieg über sie. Die Dornen, die wohl abgehauen, aber nicht mit der Wurzel ausgerissen worden sind, wachsen immer wieder empor, bis die Seele von ihnen überwuchert wird. Christus zählte die Dinge auf, welche der Seele gefährlich sind, und führte, wie von Markus berichtet, die Sorgen dieser Welt, den betrüglichen Reichtum und viele andere Lüste an; ebenso nach Lukas Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens.

Diese sind es, die das Wort, den wachsenden geistlichen Samen, ersticken. Die Seele hört auf, von Christo genährt zu werden und das geistliche Leben stirbt im Herzen ab.

„Die Sorgen dieser Welt.“

 

Keine Klasse ist frei von der Versuchung weltlicher Sorgen. Den Armen bringen schwere Arbeit, Entbehrung und die Furcht vor Mangel Schwierigkeiten und Bürden; die Reichen fürchten Verlust und haben eine ganze Menge ängstlicher Sorgen. Viele der Nachfolger Christi vergessen die Lehre, die er uns von den Blumen des Feldes zu lernen gegeben hat. Sie vertrauen seiner beständigen Fürsorge nicht, und weil sie ihre Lasten nicht auf Christum legen, kann er dieselben nicht tragen.

Die Sorgen des Lebens, welche die Menschen zum Heilande führen sollten, um von ihm Hilfe und Trost zu empfangen, werden oft das Mittel, um sie von ihm zu trennen.

Viele, die im Dienste Gottes Frucht bringen könnten, stellen sich das Erwerben von Reichtümern zur Aufgabe; ihre ganze Kraft wird Geschäftsunternehmungen gewidmet, und sie werden dadurch gezwungen, geistliche Dinge zu vernachlässigen.

In dieser Weise trennen sie sich selbst von Gott.

In der Schrift wird uns die Mahnung gegeben:

„Seid nicht träge in dem, das ihr tun sollt.“

Römer 12,11.

 

Wir sollen arbeiten, damit wir dem Dürftigen etwas geben können. Christen müssen arbeiten; sie müssen ihrem Geschäft nachgehen, und können dies tun, ohne Sünde zu begehen. Aber viele lassen sich von ihrem Geschäft so in Anspruch nehmen, daß ihnen keine Zeit zum Gebet oder zum Studium der Bibel, keine Zeit um Gott zu suchen oder ihm zu dienen, übrig bleibt.

Zuweilen sehnt sich die Seele nach Heiligkeit und nach dem Himmel, aber die Zeit fehlt, um sich von dem Getöse der Welt abzuwenden und der majestätischen, machtvollen Stimme des Geistes Gottes zu lauschen.

Die Dinge der Ewigkeit werden als untergeordnet betrachtet, während die Dinge der Welt den ersten Platz einnehmen. Unmöglich kann unter solchen Verhältnissen der Same des Worts Frucht bringen, denn das Leben der Seele wird benutzt, um die Dornen der Weltlichkeit zu nähren.

Viele, obgleich sie einen ganz anderen Zweck vor Augen haben, fallen in einen ähnlichen Irrtum. Sie wirken für das Wohl anderer, ihre Pflichten sind dringend, ihrer Verantwortlichkeiten viele und ihre Arbeit erlaubt keine Zeit für Andachtsübungen.

Sie vernachlässigen den Verkehr mit Gott im Gebet und das Studium seines Wortes und vergessen, daß Christus gesagt hat:

„Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Johannes 15,5.

 

Sie wandeln ohne Christum dahin, ihr Leben wird nicht von seiner Gnade durchdrungen, und die Charakterzüge des eigenen Ichs werden offenbar. Ihr Wirken für andere wird befleckt durch das Verlangen nach Herrschaft und durch harte unliebenswürdige Charakterzüge des unbesiegten Herzens. Hierin liegt eine der hauptsächlichsten Ursachen des Mißerfols in der Arbeit des Christen; dies ist der Grund, weshalb der Erfolg oft so spärlich ist.

„Der Betrug des Reichtums.“

Die Liebe zum Reichtum hat eine betörende, täuschende Macht. Nur zu oft vergessen solche, die irdische Güter besitzen, daß Gott ihnen die Kraft gibt, Wohlstand zu erwerben.

Sie sagen:

„Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir dies Vermögen ausgerichtet.“

5.Mose 8,17.

 

Anstatt Dankbarkeit gegen Gott zu erwecken, verleiten ihre Reichtümer sie zur Selbsterhebung; sie verlieren das Gefühl ihrer Abhängigkeit von Gott und ihrer Verpflichtung gegen ihre Nebenmenschen. Anstatt den Reichtum als ein Pfund anzusehen, das sie zur Verherrlichung Gottes und im Dienste der leidenden Menschheit benutzen sollten, betrachten sie ihn als ein Mittel zur Selbstbefriedigung, und anstatt der Eigenschaften Gottes, werden durch den Reichtum die Eigenschaften Satans in den Menschen entwickelt.

Der Same des Wortes ist durch die Dornen erstickt worden. „Und Wollust dieses Lebens.“ Es liegt Gefahr in allen Vergnügungen, die man einzig der Selbstbefriedigung halber sucht. Alle Gewohnheiten der Befriedigung, welche die körperlichen Kräfte schwächen, den Verstand umwölken oder die geistige Fassungskraft lähmen und betäuben, sind fleischliche Lüste, „welche wider die Seele streiten“.

1.Petrus 2,11.

„Und viele andere Lüste.“

Dies sind nicht notwendigerweise Dinge, die an sich selbst sündig sind, sondern solche, denen man anstatt dem Reiche Gottes den ersten Platz gibt. Alles, was das Gemüt von Gott, die Neigungen von Christo abzieht, ist ein Feind der Seele.

Wenn das Gemüt jugendfrisch, kräftig und einer schnellen Entwicklung fähig ist, dann ist die Versuchung groß, dem eigenen Ich und ehrgeizigen Zwecken zu dienen. Sind dann die weltlichen Pläne erfolgreich, so kommt man leicht auf einen Pfad, der das Gewissen tötet und eine richtige Schätzung dessen, worin wirklicher Adel des Charakters besteht, verhindert; wirken nun noch begünstigende Umstände mit, dann wird sich ein Wachstum zeigen in einer Weise, wie sie im Worte Gottes verboten ist. In dieser Bildungsperiode im Leben der Kinder ruht auf den Eltern eine sehr große Verantwortlichkeit.

Die sollten beständig darüber nachdenken, ihre Kinder mit den rechten Einflüssen zu umgeben; mit Einflüssen, die ihnen richtige Ansichten vom Leben und dem wahren Erfolg desselben geben. Wie viele Eltern machen es anstatt dessen zu ihrer ersten Aufgabe, ihren Kindern weltliches Gedeihen zu sichern!

Alle ihre Gespielen und Kameraden werden mit Rücksicht auf diesen Zweck gewählt. Viele Eltern schlagen ihr Heim in irgend einer großen Stadt auf, führen ihre Kinder in die moderne Gesellschaft ein und umgeben sie mit Einflüssen, welche Weltlichkeit und Stolz geradezu einladen.

In dieser Atmosphäre verkrüppeln Gemüt und Seele, hohe und edle Lebensziele werden aus den Augen verloren. Das Vorrecht, Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens zu sein, wird weltlichen Gewinnes wegen preisgegeben.

Viele Eltern versuchen das Glück ihrer Kinder dadurch zu fördern, daß sie ihre Vergnügungssucht befriedigen. Sie erlauben ihnen an Spielen und Vergnügungen teilzunehmen und versehen sie mit Geld, welches die Kinder leichtsinnig zur Selbstbefriedigung und für allerlei Flittertand ausgeben. Je mehr man der Vergnügungssucht frönt, desto stärker wird sie, und so geht das Interesse solcher Jünglinge und Jungfrauen mehr und mehr in Vergnügen auf, bis sie zuletzt dahin kommen, daß sie es als den Hauptzweck ihres Lebens ansehen. Sie gewöhnen sich an Müßiggang und Selbstbefriedigung, so daß es fast unmöglich für sie wird, jemals standhafte Christen zu werden.

Selbst die Kirche, welche doch die Säule und Stütze der Wahrheit sein sollte, ermutigt oft die selbstsüchtige Liebe zu Vergnügungen. Wenn Geld zu religiösen Zwecken aufgebracht werden soll, zu welchen Mitteln nehmen da gewisse Kirchengemeinschaften ihre Zuflucht? Zu einem Bazar, zu Festessen, Promenadenkonzerten, ja selbst zu Lotterien und ähnlichen Dingen. Oft wird der Ort, welcher der Anbetung Gottes geweiht sein sollte, durch Essen und Trinken, Kaufen, Verkaufen und allerlei Lustbarkeiten entweiht.

Dadurch wird die Achtung vor dem Hause Gottes und der Anbetung Gottes in den Gemütern der Jugend verringert, die Schranken der Selbstbeherrschung werden geschwächt, die Selbstsucht, der Appetit und die Liebe zu äußerlichem Gepränge genährt, und alle diese Fehler nehmen zu, je mehr man ihnen frönt. Die Jagd nach Vergnügungen aller Art ist besonders in den Städten vorherrschend.

 

Viele Eltern, welche für ihre Kinder ein Heim in der Stadt wählen, indem sie glauben, ihnen dort größere Vorteile bieten zu können, erfahren mancherlei Enttäuschungen und bereuen ihren großen Irrtum, wenn es zu spät ist. Die Städte unserer Zeit werden schnell Sodom und Gomorra gleich. Die vielen Feiertage führen zum Müßiggang; die aufregenden Belustigungen, Theaterbesuche, Pferderennen, Spiele, Zechgelage und Nachtschwärmerei, regen alle Leidenschaften aufs höchste an und die Jugend wird durch die allgemeine Strömung mit fortgerissen.

Solche, die es lernen, das Vergnügen um seiner selbst willen zu lieben, öffnen einer Flut von Versuchungen die Tür; sie geben sich gesellschaftlicher Heiterkeit und gedankenloser Freude hin, und ihr Verkehr mit Vergnügungssüchtigen wirkt wie ein Rausch auf ihr Gemüt. Sie werden von einer Form der Ausschweifung zur andern verleitet, bis sie zuletzt nicht nur den Wunsch, sondern auch die Fähigkeit verlieren, ein nützliches Leben zu führen.

Ihr religiöses Verlangen ist dahin, ihr geistiges Leben verdunkelt, alle edleren Seelenkräfte, alles, was den Menschen mit der höheren Welt verbindet, herabgewürdigt und erniedrigt.

Wohl sehen einige ihre Torheit ein und tun Buße und Gott vergibt ihnen; aber sie haben ihre eignen Seelen verwundet und sich in eine lebenslängliche Gefahr gebracht. Die Unterscheidungsgabe, die immer scharf und klar erhalten werden sollte, um das Rechte von dem Unrechten zu unterscheiden, ist in einem hohen Grade beeinträchtigt, so daß sie nicht sofort die warnende Stimme des heiligen Geistes, der sie führen will, noch die Schlingen, die Satan ihnen stellt, erkennen können.

Nur zu oft fallen sie in der Versuchung oder werden irregeleitet und so von Gott entfernt. Das Ende ihres vergnügungssüchtigen Lebens ist Verderben für diese sowohl als auch für die zukünftige Welt.

Die Sorgen, Reichtümer und Vergnügungen benutzt der Satan in seinem Spiel des Lebens um die menschliche Seele, darum wird uns die Warnung gegeben:

„Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist.

So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.

Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.“

1.Johannes 2,15.16.

Er, welcher die Herzen der Menschen liest wie ein offenes Buch, sagt: „Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch.“

Lukas 21,34.

Und der Apostel Paulus schreibt durch die Eingebung des heiligen Geistes: „Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke und viel törichter und schädlicher Lüste, welche versenken die Menschen ins Verderben und Verdammnis. Denn Geiz ist die Wurzel alles Übels; des hat etliche gelüstet und sind vom Glauben irre gegangen, und machen ihnen selbst viel Schmerzen.“

1.Timotheus 6,9.10.

 

Die Zubereitung des Bodens

In dem ganzen Gleichnis vom Sämann stellt Christus die Sache so dar, daß die verschiedenen Ergebnisse des Säens von dem Boden, auf welchen der Same fällt, abhängen. Der Sämann und der Same sind in einem jeden Falle dieselben. In dieser Weise lehrt er, daß wenn das Wort Gottes nicht in unseren Herzen und unserem Leben sein Werk ausrichtet, der Grund dafür in uns selbst zu suchen ist und wir selbst für die Ergebnisse verantwortlich sind. Allerdings können wir uns selbst nicht ändern, aber wir haben die Kraft zu wählen, und es steht bei uns, zu bestimmen, was wir werden wollen.

Die Hörer, die mit dem Wege, dem steinigen und dem mit Dornen bewachsenen Boden verglichen werden, brauchen nicht so zu bleiben. Der Geist Gottes sucht beständig den Bann des Zaubers, der die Menschen in weltlichen Dingen gefangen hält, zu brechen und das Verlangen nach den unvergänglichen Dingen in ihnen zu erwecken.

Die Menschen aber widerstehen dem Wirken des Geistes und werden dadurch unaufmerksam auf das Wort Gottes und vernachlässigen es. Sie selbst sind also verantwortlich für die Herzenshärte, die den guten Samen daran hindert, Wurzel zu fassen, und für die bösen Auswüchse, die das Wachstum desselben ersticken.

Der Garten des Herzens muß bearbeitet werden. Der Boden muß durch tiefe Reue über die Sünde aufgebrochen und giftige, satanische Pflanzen müssen entwurzelt werden. Der einmal von Dornen überwucherte Boden kann nur durch fleißige Arbeit wieder nutzbar gemacht werden. So können auch die bösen Neigungen des natürlichen Herzens nur durch ernste Bestrebungen im Namen und in der Kraft Jesu überwunden werden.

Der HERR gebietet uns durch seinen Propheten:

„Pflüget ein Neues, und säet nicht unter die Hecken.“ „Darum säet euch Gerechtigkeit, und erntet Liebe.“

Jeremia 4,3; Hosea 10,12.

 

Er wünscht dies Werk für uns zu tun und bittet uns, mit ihm zusammen zu wirken. Die Arbeit des Sämanns ist es, die Herzen für die Annahme des Evangeliums vorzubereiten. Im Dienst am Wort wird zu viel gepredigt und zu wenig von Herz zu Herz gewirkt. Persönliche Arbeit für die Seelen der Verlorenen ist notwendig.

Wie Christus, so sollen auch wir mit demselben Mitgefühl den einzelnen Menschen nahekommen und ihr Interesse an den wichtigen Dingen des ewigen Lebens zu erwecken versuchen. Ihre Herzen mögen so hart sein wie die hart getretene Landstraße, und es mag ein anscheinend nutzloser Versuch sein, ihnen von einem Heiland zu erzählen; aber während sie auf dem Wege des Verstandes nicht bewegt werden können und alle Beweisgründe machtlos sein mögen, sie zu überzeugen, so mag doch die in persönlichem Dienen offenbarte Liebe Christi das steinerne Herz erweichen, so daß der Same der Wahrheit Wurzel fassen kann.

Also hat auch der Sämann etwas zu tun, damit der Same nicht durch die Dornen erstickt wird oder wegen der dünnen Erdschicht umkommt. Gleich beim Anfang des christlichen Lebens sollte jeder Gläubige die Grundsätze des Christentums lernen, nämlich, daß er nicht nur durch das Opfer Christi gerettet werden, sondern daß er auch das Leben Christi zu seinem Leben und den Charakter Christi zu seinem Charakter machen soll.

Alle Gläubigen sollten lernen Lasten zu tragen und die natürlichen Neigungen zu verleugnen. Sie sollten den Segen kennen lernen, der darin liegt, für Christum zu wirken, ihm in Selbstverleugnung nachzufolgen und als gute Streiter Schwierigkeiten zu ertragen. Lehrt sie Christi Liebe zu vertrauen und alle ihre Sorgen auf ihn zu werfen; laßt sie die Freude schmecken, Seelen für ihn zu gewinnen, und in ihrer Liebe und ihrem Interesse für jene Seelen werden sie sich selbst vergessen.

Die Vergnügungen der Welt werden für sie die Anziehungskraft verlieren, und Lasten dieser Erde werden nicht mehr imstande sein, sie zu entmutigen. Die Pflugschar der Wahrheit wird ihr Werk tun; sie wird den harten Boden aufbrechen und wird nicht nur die Spitzen der Dornen abschneiden, sondern letztere mit den Wurzeln ausrotten.

 

Auf gutes Land

Der Sämann soll nicht immer Enttäuschung erfahren. Von dem Samen, der auf gutes Land fiel, sagte der Heiland:

„Das ist, wenn jemand das Wort höret und verstehet es, und dann auch Frucht bringet; und etlicher trägt hundertfältig, etlicher aber sechzigfältig, etlicher dreißigfältig.“

Matthäus 13,23.

„Das aber auf dem guten Land sind: die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.“

Lukas 8,15.

Die Menschen mit „einem feinen, guten Herzen,“ von welchen das Gleichnis spricht, sind nicht Menschen mit einem Herzen ohne Sünde, denn das Evangelium soll den Verlorenen gepredigt werden.

Christus sagte:

„Ich bin kommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten.“

Matthäus 2,17.

Wer sich durch den heiligen Geist überzeugen läßt, hat ein feines Herz. Er bekennt seine Schuld und fühlt, daß er der Gnade und Liebe Gottes bedürftig ist und hat den aufrichtigen Wunsch, die Wahrheit zu kennen, um ihr zu gehorchen.

Das gute Herz ist ein gläubiges Herz, ein Herz, das Vertrauen in das Wort Gottes setzt.

Es ist unmöglich, ohne Glauben das Wort aufzunehmen.

„Wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei, und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde.“

Hebräer 11,6.

„Das aber in das gute Land gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort höret und verstehet es.“

 

Die Pharisäer zur Zeit Christi verschlossen ihre Augen, um nicht zu sehen, und ihre Ohren, um nicht zu hören; deshalb konnte die Wahrheit ihre Herzen nicht erreichen, und sie mußten ihrer mutwilligen Unwissenheit und ihrer selbstauferlegten Blindheit wegen die Folgen auf sich nehmen. Aber Christus lehrte seine Jünger, daß sie ihr Verständnis den Belehrungen öffnen und bereit sein sollten zu glauben.

Er sprach einen Segen über sie aus, weil sie mit gläubigen Augen und Ohren sahen und hörten.

Der mit dem guten Lande verglichene Hörer nimmt das Wort auf, „nicht als Menschenwort, sondern, wie es denn wahrhaftig ist, als Gottes Wort.“ 1.Thessalonicher 2,13.

Nur der, welcher die Heilige Schrift als die zu ihm sprechende Stimme Gottes annimmt, ist ein wahrer Lernender. Er nimmt das Wort Gottes mit Ehrfurcht auf, denn es ist ihm eine lebendige Wirklichkeit, der er sein Verständnis und sein Herz öffnet. Solche Hörer waren Kornelius und seine Freunde, welche zu dem Apostel

 

Petrus sagten:

„Nun sind wir alle hier gegenwärtig vor Gott, zu hören alles, was dir von Gott befohlen ist.“ Apostelgeschichte 10,33.

Die Erkenntnis der Wahrheit hängt nicht so viel von der Größe der Fassungskraft wie von der Lauterkeit der Absicht, der Einfachheit eines ernsten, sich auf Gott verlassenden Glaubens ab. Solchen, die in Herzensdemut göttliche Führung suchen, nahen sich die Engel Gottes, und der heilige Geist eröffnet ihnen die reichen Schätze der Wahrheit. Die mit dem guten Lande verglichenen Hörer behalten das Wort, wenn sie es gehört haben, und Satan mit all seinen höllischen Werkzeugen ist nicht imstande, es ihnen fortzunehmen.

Es genügt nicht, das Wort nur zu hören oder zu lesen. Wer wünscht, daß die Heilige Schrift ihm etwas nützen soll, der muß über die ihm vorgeführte Wahrheit nachdenken, muß unter Gebet und mit großer Aufmerksamkeit die Bedeutung der Worte der Wahrheit zu erkennen suchen und muß in tiefen Zügen den Sinn des heiligen Wortes aufnehmen. Gott wünscht, daß wir uns mit erhabenen, lauteren Gedanken beschäftigen, über seine Liebe und seine Barmherzigkeit nachdenken und sein wunderbares Wirken im großen Erlösungsplan studieren.

Dann wird uns die Wahrheit immer klarer und unser Wunsch nach Herzensreinheit und Gedankenklarheit höher und heiliger werden.

Die in der reinen Atmosphäre heiliger Gedanken wohnende Seele wird durch den Verkehr mit Gott, im Studium der Heiligen Schrift, umgebildet werden. „Und bringen Frucht.“

Diejenigen, welche nachdem sie das Wort gehört haben, es bewahren, werden in Gehorsam Frucht bringen; das in die Seele aufgenommene Wort Gottes wird sich in guten Werken offenbaren.

Das Ergebnis wird in einem Christo ähnlichen Leben und Charakter gesehen werden.

Christus sagte von sich selbst:

„Deinen Willen, mein Gott, tu ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.“

Psalm 40,9

„Ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat.“

Johannes 5,30.

Und die Schrift sagt:

„Wer da saget, daß er in ihm bleibet, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat.“

1.Johannes 2,6.

 

Das Wort Gottes steht oft im Widerspruch mit den angeerbten und anerzogenen Charakterzügen und den Gewohnheiten des täglichen Lebens der Menschen. Aber der mit dem guten Lande verglichene Hörer nimmt das Wort mit allen Bedingungen und Forderungen an und macht seine Gewohnheiten und Gebräuche dem Worte Gottes untertan. In seinen Augen werden die Gebote sterblicher, irrender Menschen neben dem Worte des unendlichen Gottes vollkommen wertlos.

Von ganzem Herzen, mit ungeteiltem Streben verlangt er nach dem ewigen Leben, wenn es auch Verluste, Verfolgungen oder gar selbst den Tod verursache: er will doch der Wahrheit gehorchen.

Er bringt „Frucht in Geduld“.

Niemand, der das Wort Gottes aufnimmt, entgeht Schwierigkeiten und Prüfungen; aber wenn die Trübsal kommt, gerät der wahre Christ nicht in Unruhe, Mißtrauen oder Verzweiflung.

Selbst wenn er das Ende seiner Schwierigkeiten nicht sehen oder die Absicht, die Gott mit ihm hat, nicht erkennen kann, wird er sein Vertrauen nicht wegwerfen, sondern, der Liebe und Gnade des HERRN gedenkend, seine Sorgen auf ihn werfen und mit Geduld auf sein Heil warten. Durch Kampf wird das geistliche Leben gestärkt. Gut bestandene Prüfungen werden Standhaftigkeit des Charakters und köstliche, geistliche Tugenden entwickeln.

Die vollkommene Frucht des Glaubens, der Sanftmut und der Liebe reift oft in Sturmeswolken und in der Finsternis am besten.

„Ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und ist geduldig darüber, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.“

Jakobus 5,7.

So soll auch der Christ mit Geduld auf die in seinem Leben sich zeigende Frucht des Wortes Gottes warten.

Oft erhört Gott, wenn wir ihn um die Gaben des heiligen Geistes bitten, unsere Gebete, indem er uns in Umstände bringt, welche diese Früchte entwickeln; aber wir verstehen seine Absicht nicht, wundern uns deshalb darüber und werden niedergeschlagen oder erschreckt.

Und doch kann niemand diese Gnadengaben entwickeln, es sei denn durch Wachstum und Fruchtbringen.

Unsere Aufgabe ist es, das Wort Gottes anzunehmen, es fest zu halten und uns vollständig seiner Herrschaft zu unterwerfen; dann wird es seinen Zweck in uns erreichen.

„Wer mich liebet,“ sagte Christus, „der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen.“

Johannes 14,23.

Die Kraft eines stärkeren, eines vollkommenen Willens wird uns regieren, weil wir eine lebendige Verbindung mit der Quelle der alles ertragenden Kraft haben.

In unserem göttlichen Leben werden wir unter die Oberherrschaft Jesu Christi gebracht werden; das gewöhnliche Leben der Selbstsucht hört auf, denn Christus lebt in uns.

Sein Charakter wird sich in unserer Natur offenbaren und wir werden die Früchte des heiligen Geistes darbringen, „etliche dreißigfältig, und etliche sechzigfältig, und etliche hundertfältig.“

 

Quelle:

Christi Gleichnisse

oder auch

Bilder vom Reiche Gottes

Ellen Gould White

 

www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!

 

 

Ellen G. White – Eine Prophetin Gottes

Bücher von Ellen Gould White als PDF

http://www.jesus-christus-erloesungsweg-zum-ewigen-leben.de/buecher-von-ellen-g-white.php



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