Titus 2,13 - Jesus = "der große Gott" ?


von Wolfgang Schneider

 

Einleitung

 

Aus der Aussage des Paulus in Titus 2,13 gründen manche Vertreter der Trinitätslehre, dass Jesus "unser Gott und Heiland" sei, und so benutzen sie dann diesen Vers, um ihre These Jesus sei Gott zu stützen. Nur, ist das überhaupt, was der Vers sagt? Ist das, was Paulus gesagt und gemeint hat? Um wen bzw. was geht es in dieser Aussage? Sind die Worte des Paulus zwingend so zu verstehen, wie von den Trinitariern dargelegt oder gibt es noch andere Möglichkeiten, wie man den Vers verstehen sollte?

Titus 2,13
und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus,

Trinitarier behaupten, aufgrund der grammatischen Konstruktion der Aussage, dass Paulus von Jesus als "Gott" spricht, indem sie den Ausdruck "Gottes und unseres Heilandes" auf Jesus Christus beziehen. Für sie gibt es eine Person, Jesus Christus, der hier mittels zweier Begriffe, "Gott" und "Heiland" näher beschrieben wird. Und so verkünden sie, Paulus lehre hier eindeutig, dass Jesus Christus unser großer Gott und Heiland sei. Ist das aber wirklich, was Paulus hier lehrt?

Das Problem ist, dass viele andere Stellen in der Bibel ganz eindeutig darlegen, dass "Jesus" und "Gott" zwei unterschiedliche und voneinander getrennte unabhängige Lebewesen sind. Die Annahme der Trinitätsverfechter widerspricht also den vielen Schriftstellen, in denen Jesus und Gott als separate "Personen" beschrieben werden, z.B. solchen Stellen, wo wir lesen, dass Jesus zu Gott betete oder andere lehrte zu Gott zu beten. Jesus weist eindeutig darauf hin, dass "Gott" im Himmel ist, wohingegen er auf Erden weilte! Wenn man diese Wahrheiten in die Überlegungen einbezieht, wird deutlich, dass Paulus offensichtlich nicht gemeint haben kann, was Trinitarier ihm zuschreiben.

Was aber sagt dann Paulus in dieser Stelle? Redet er von einer Person oder von zweien? Ist "Gott und unser Heiland" eine Person und falls ja, wer? Wer oder was ist dann Jesus Christus, und wer ist der Gott und Heiland? Es gilt zu untersuchen, ob der Ausdruck "großen Gottes und unseres Heilands" sich auf ein und dieselbe Person oder auf zwei Personen bezieht, eine ist "der große Gott", die andere ist "unser Heiland".

 

Unterschiedliche Übersetzungen

Die Schwierigkeiten bzgl. des richtigen Verständnisses dieser Aussage waren den Übersetzern der Bibel offensichtlich nicht unbekannt. Dies zeigt sich in den teilweise sehr unterschiedlichen Übersetzungen dieses Verses. Hier eine kleine Auswahl verschiedener deutscher Bibelfassungen.

  • Luther 1984
    und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus,

  • Luther 1912
    und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi,

  • Luther 1545
    und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen GOttes und unsers Heilandes JEsu Christi,

  • Hoffnung für Alle
    als Menschen, die auf die beseligende Erfüllung ihrer Hoffnung warten und darauf, daß unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner Herrlichkeit erscheint.

  • Schlachter 1951
    in Erwartung der seligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Retters Jesus Christus,

  • Elberfelder 1905 (unrev.)
    indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus,

Wie man sieht, gibt es geringe textliche Unterschiede, die aber teilweise große Bedeutungsunterschiede mit sich bringen. Zum einen sehen wir, dass das Pronomen "unseres" entweder vor "Heiland" oder vor dem "großen Gott" steht; weiterhin sehen wir, dass "Jesus Christus" durch Komma getrennt als Apposition gesetzt wird bzw. in unterschiedlichen Fällen wiedergegeben wird (Genitiv, Nominativ). Von der Bedeutung her erkennen wir, dass einige Übersetzungen aussagen, dass wir auf die Erscheinung "der Herrlichkeit" warten, andere aber, dass wir auf die Erscheinung "unseres Gottes" warten.

 

Der griechische Text hat folgenden Wortlaut samt "wörtlicher" Übersetzung:

προσδεχομενοι
erwartend

την
die

μακαριαν
selige

ελπιδα
Hoffnung

και
und

επιφανειαν
Erscheinung

της
der

δοξης
Herrlichkeit

του
des

μεγαλου
großen

θεου
Gottes

και
und

σωτηρος
Heilandes

ημων
unseres

ιησου
Jesu

χριστου
Christi

Wir erkennen aus diesem Wortlaut, dass wir warten auf "die Erscheinung der Herrlichkeit des ... ". Nun gilt es aus dem Text und Kontext zu klären, wessen Herrlichkeit erscheinen wird und wer oder was diese Herrlichkeit ist.

 

Grammatikalische Überlegungen

Oftmals wird argumentiert, der Ausdruck "der große Gott und unser Heiland" beziehe sich auf eine Person und nicht auf zwei Personen. Gemäß der sogenannten "Granville Sharp" Regel beziehen sich zwei Substantive (wenn es nicht Eigennamen sind), von denen das erste den bestimmten Artikel hat und das zweite nicht und beide mit "und" verbunden sind, auf nur eine Person. Ein biblisches Beispiel für diesen Sachverhalt ist der Ausdruck, "der Herr und Heiland Jesus Christus". Hier lesen wir nicht von zwei Personen, (a) dem Herrn, und (b) dem Heiland Jesus Christus, sondern wir lesen von einer Person, (a) dem [Herrn und Heiland] Jesus Christus. Diese Ausdrucksweise gibt es auch im täglichen Leben, wenn etwa von "dem Vorsitzenden und Leiter, Herrn Mustermann" die Rede ist ... auch da ist lediglich Herr Mustermann vorhanden, und er ist sowohl der Vorsitzende wie auch der Leiter.

Dieser grammatikalische Sachverhalt liegt auch in Titus 2,13 vor, wo es im griechischen Text wörtlich lautet: "des großen Gottes und Heilandes unseres". Der bestimmte Artikel ("des") steht vor dem ersten Substantiv ("Gott") aber nicht vor dem zweiten Substantiv ("Heiland"). Dies zeigt an, dass in der Tat der Ausdruck "des großen Gottes und Heilandes unseres") von nur einer "Person" handelt. Wer aber ist biblisch betrachtet, "der große Gott und Heiland unsere" bzw. mit fürs Deutsche angepaßter Wortstellung dann "unser großer Gott und Heiland"? Trinitarier sind schnell bei der Hand und sagen, Paulus sage ja gleich hinterher, unser großer Gott und Heiland sei "Jesus Christus". Ist dem aber wirklich so? Ist das überhaupt, was Paulus schreibt?

 

Wer ist "unser großer Gott und Heiland"?

Die Antwort auf diese Frage ergibt sich eigentlich direkt aus dem, was Paulus hier schreibt. Wir werden den genauen Wortlaut und den unmittelbaren Kontext beachten und können dann bereits aus diesem Abschnitt selbst erkennen, wen Paulus hier als "unseren großen Gott und Heiland" bezeichnet.

Eine Schwierigkeit für viele Bibelleser ist, dass das Wort "Heiland" biblisch ganz sicher auch für Jesus Christus benutzt wird, und so wird dann hier aufgrund dieses Wortes sofort Jesus Christus als "unser Heiland" verstanden und "unser großer Gott" dann ebenfalls auf Jesus bezogen und schon liegt angeblich ein Argument für eine "Trinität" vor. Diese Vorstellung geht von der Annahme aus, dass der Begriff "Heiland" in der Bibel einzig für Jesus benutzt wird. Allerdings ist diese Annahme nicht korrekt, denn auch Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, wird immer wieder als "Heiland (Retter)" bezeichnet. Man kann eigentlich aufgrund des Vorkommens des Begriffs "Heiland" nicht Jesus nun zu "unserem großen Gott" machen, sondern muß aufgrund des Vorkommens des Begriffs "der große Gott" den Begriff "Heiland" eben nicht auf Jesus beziehen, sondern - wie es an anderen Stellen in der Bibel auch der Fall ist - auf Jesu Vater, der wahrhaftig "der große Gott und Heiland von uns" ist!

Titus 2,13 sagt übrigens auch nicht, dass wir die Erscheinung "unseres großen Gottes und Heilandes" erwarten; Paulus schreibt vielmehr, dass wir warten auf die Erscheinung DER HERRLICHKEIT unseres großen Gottes und Heilandes ... und das ist ein manchen vielleicht nicht einmal auffallender aber in der Sache gewaltiger Unterschied! Paulus erwähnt 2 Dinge im Hinblick darauf, was wir erwarten: (1) auf die selige Hoffnung, und (2) Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes. Auch hier trifft wiederum die oben erwähnte grammatikalische Regel bzgl. zweier mit und verbundener Substantive und nur einem bestimmten Artikel zu! "Die selige Hoffnung und Erscheinung ...." bezeichnen nicht zwei verschiedene Dinge, sondern beziehen sich auf eine Sache! Wer oder was ist die hier erwähnte erwartete "selige Hoffnung"? Wen oder was erwarteten die Christen? Jesus und sein Kommen in der Herrlichkeit Gottes, seines Vaters! Paulus spricht an anderer Stelle von diesem Kommen Jesu als "der Hoffnung der Herrlichkeit" (vgl. Kolosser 1,27).

Paulus hat gerade in den Versen zuvor geschrieben, wen er als "Gott und Heiland" bezeichnet. In Vers 10 heißt es: "damit sie der Lehre Gottes, unseres Heilands, Ehre machen in allen Stücken", in Vers 11 dann: "ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen" ... offensichtlich ist "Gott" bzw. "Gott, unser Heiland" hier unser himmlischer Vater, Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Für Paulus ist "Gott und Heiland" also niemand anders als der allein wahre Gott, der Vater Jesu Christi! Somit ist klar, dass Paulus in V. 13 sich dann nicht plötzlich selbst widerspricht und Jesus Christus als "unseren großen Gott und Heiland" bezeichnet. Paulus redet vielmehr davon, dass wir auf die Jesus Christus als unsere selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres Gottes und Heilandes warten!

Wenn wir nun nochmals den Wortlaut im griechischen Text in Titus 2,13 anschauen, erkennen wir den Sachverhalt auch aus einem anderen Grund noch wesentlich besser. Die Wörter "Jesus Christus" am Ende des Satzes stehen im Genitiv ("Jesu Christi") und nicht etwa im Dativ ("Jesus Christus").

Paulus schreibt: " .... erwartend die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und Heilandes unseres Jesu Christi" Wäre Jesus Christus "der große Gott und Heiland unsere", dann müßte der Text lauten "Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus (und nicht: Jesu Christi)" !! Einige moderne Übersetzungen setzen sich einfach über diesen Sachverhalt hinweg und übersetzen so, wie es in ihre Theologie paßt. In anderen Übersetzungen wurde dieses Problem erkannt und der Genitiv in der Übersetzung mit "Jesu Christi" beibehalten, und durch Zeichensetzung wurde eine bessere Lösung erreicht: "Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes, Jesu Christi"!

 

Zusammenfassung

Paulus bezeichnet in Titus 2,13 keineswegs Jesus als "unseren großen Gott und Heiland", vielmehr macht er deutlich, dass "unser großer Gott und Heiland" wie an allen anderen Stellen in seinen Schriften auch, der Vater Jesu, unser himmlischer Vater, ist! Jesus Christus ist die Herrlichkeit des Vaters und sein Kommen wird auch an anderer Stelle als "die Hoffnung der (auf) Herrlichkeit" bezeichnet.

Das rechte Verständnis dieser scheinbar schwierigen Stelle in Titus 2,13 wird in Luther 1545 und Luther 1912 mit folgender recht eng am griechischen Urtext angelehnter Übersetzung wiedergegeben:

und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands, Jesu Christi

Man muß aber achtsam sein, und diese korrekte Übersetzung auch korrekt verstehen, und nicht "in Gedanken" dann doch wieder ein falsches Verständnis einfließen lassen. Paulus schreibt von dem Kommen Jesu Christi, welches er als "die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes" bezeichnet! Paulus nennt hier Jesus Christus überhaupt nicht "unseren großen Gott und Heiland", wie Trinitarier lesen und übersetzen, sondern Paulus macht deutlich, dass der Christen selige Hoffnung das gleiche ist wie die Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes. Dieser große Gott und Heiland ist der Vater Jesu Christi und unser himmlischer Vater. Die zu erwartende selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit dieses Gottes und Heilandes war dann das Kommen Jesu Christi.

 

Quelle:

http://www.bibelcenter.de/bibel/trinitaet/tit2_13.php

 

www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!


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