Micha 5,1 - Ausgang von Ewigkeit her ?


von Wolfgang Schneider

 

Einleitung

 

Ein Vers, der manchmal als Beleg herhalten muß, dass Jesus Gott sei, ist ein Vers in Micha 5, in welchem der Prophet Micha eine Weissagung bzgl. des Geburtsorts des kommenden Messias verkündet.

Micha 5,1
Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

 

Trinitarier greifen die Aussage am Ende dieses Verses auf, und meinen dann, dass "dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist" ein Beweis für eine ewige göttliche Existenz Jesu sei. Sie interpretieren diese Aussage so, als habe Jesus als "Gott, der Sohn" bereits von Anfang und von Ewigkeit her vor aller Schöpfung als Gott gelebt. Das steht aber im Widerspruch zu einer Reihe anderer Schriftstellen und ist auch nicht, was dieser Vers hier eigentlich aussagt.

Selbst die Aussage "von Ewigkeit her" (welches eigentlich eine ungenaue Übersetzung ist, wie wir noch sehen werden) bedeutet ja nicht unbedingt, dass Jesus bereits von vor der Schöpfung als Gott gelebt hat. Auch ist die Verbindung von "von Anfang und von Ewigkeit" bereits ein Hinweis darauf, dass hier nicht von einer Ewigkeit im Sinne von "vor der Schöpfung" die Rede sein kann.

 

Ist hier von der Geburt Gottes die Rede?

Bevor wir weitere einzelne Punkte hinsichtlich des Wortlauts und der Übersetzung von Micha 5,1 erörtern, wollen wir einen Blick auf den unmittelbaren Kontext werfen, um zu sehen, welche weiteren Informationen uns bzgl. dessen verkündet werden, der aus Bethlehem kommen soll und dessen Ausgang "von Ewigkeit her" gewesen ist.

Micha 5,1-3
Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.
Indes läßt er sie plagen bis auf die Zeit, daß die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel.
Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist.

 

Man achte besonders auf den letzten Vers, wo es heißt: Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes." Wie wird er auftreten und als Hirte weiden ? In der Kraft des HERRN (YHWH) wird er auftreten, und dann sagt der Prophet Micha weiter, dass der HERR der Gott des kommenden Hirten sein wird! Er wird "auftreten und weiden ... in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes.

Diese Aussage in Vers 3 allein widerlegt bereits die Auslegung, dass der in Vers 1 erwähnte kommende Hirte selbst "Gott" ist, denn hier lesen wir, dass er selbst einen Gott hat und in dem Namen des HERRN, SEINES GOTTES, weiden wird.

Überlegungen zum Text und der Übersetzung

Nachdem bereits aus dem Kontext klar ist, dass der kommende Hirte, der in Bethlehem geboren werden sollte, nicht selbst Gott ist, sondern vielmehr im Namen "seines Gottes" auftreten und dessen Volk weiden würde, wollen wir nun einige der Begriffe in Micha 5,1 und ihre Übersetzung ein wenig genauer untersuchen.

"dessen Ausgang"

Im hebräischen Text steht das Wort motsa'ah, welches in der Lutherbibel 1984 mit "Ausgang" übersetzt wurde. Einige andere Bibeln übersetzen das Wort mit "seine Ausgänge" (unrev. Elberlfelder 1905), "dessen Ursprung" (Schlachter 1951), oder ähnlich. Das hebräische Wort vermittelt das Konzept von "Ursprung", und es geht hier um den Ursprung des verheissenen kommenden Messias Jesus.

"von Anfang"

Das hebräische Wort für "Anfang" ist das Wort, welches oft den "Osten" bezeichnet, und bedeutet eigentlich soviel wie "Aufgang", abgeleitet vom Aufgang der Sonne im Osten, womit gleichzeitig der Tagesanfang bezeichnet wird. Das hebräische Wort qedem umschreibt die Idee eines Anfangs. Jesu Ursprung bzw. Ausgang war "von Anfang", und diese Idee wird an anderen Stellen in der Schrift ebenfalls vermittelt. Dabei sollte man aber beachten, dass dies nicht bedeutet, dass bereits am Anfang die Person oder der Mensch Jesus lebte, sondern (wie etwa 1Pe 1,20 aufzeigt) als Wort in Gottes Vorsehung existierte.

"von Ewigkeit"

Das hier mit "Ewigkeit" übersetzte hebräische Wort ist olam, und der gesamte Ausdruck lautet eigentlich "von den Tagen olams". Diese Ausdruck kommt auch noch an anderen Stellen in der Schrift vor.

  • 5Mo 32,7
    Gedenke der vorigen Zeiten und hab acht auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Frage deinen Vater, der wird dir's verkünden, deine Ältesten, die werden dir's sagen.

  • Mi 7,14
    Du aber weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbteils, die da einsam wohnt im Walde, mitten im fruchtbaren Lande; laß sie in Baschan und Gilead weiden wie vor alters!

Aus diesen Stellen ist klar, dass es hier nicht um "Ewigkeit" in der Vergangenheit vor aller Zeit geht, sondern um die "vorigen Zeiten", um die "Tage aus alter Zeit". Das Wort bezeichnet eine nicht näher bestimmte lange Zeit in der Vergangenheit. An anderen Stellen wird das Wort mit "vorzeiten" (Jos 24,2) oder "Vorzeit" (1Mo 6,4) und ähnlichen Begriffen übersetzt, und es hat nie etwas mit einer unendlichen Ewigkeit in der Vergangenheit zu tun.

 

Schlussfolgerung

Hier wird auf den Ursprung des Messias Bezug genommen, und dieser Ursprung (Ausgang) des Messias war zunächst in Gestalt von "Wort" in der "Vorsehung Gottes", wie ich in Studien zu Johannes 1,1 und auch zur Vorstellung einer Präexistenz Jesu in detaillierter Form dargelegt habe. Am Anfang bzw. von vorzeiten her existierte noch nicht die lebende Person "Jesus Christus", sondern es existierte der Plan eines kommenden Erlösers in Gottes Vorsehung, und dieser Plan wurde dann zur Realität mit der Empfängnis und der Geburt Jesu in Bethlehem, als das, was bis dato "Wort" in Gottes Vorsehung gewesen war, nun "Fleisch wurde". Jesus existierte als Wort in Gottes Vorsehung von vor Grundlegung der Welt an, wurde aber erst offenbart als ein Lebewesen von Fleisch und Blut, als er - wie Micha voraussagte - in Bethlehem geboren wurde (vgl. 1Pe 1,20).

Die Vorstellung von Trinitariern, dass der Prophet Micha hier von einem seit Ewigkeit existierneden Gott Jesus spricht, die sind absurd und unhaltbar. Der unmittelbare Kontext und eine genauere Betrachtung der in diesem Vers benutzten Wörter, zeigen klar und deutlich, dass dieser kommende Hirte nicht Gott sein kann, sondern im Namen seines Gottes kam und auftrat.

 

Quelle:

http://www.bibelcenter.de/bibel/trinitaet/mic5_1.php

 

www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!


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