Johannes 10,33


von Wolfgang Schneider

 

Manche Theologen verweisen auf eine Aussage der Juden bzw. der religiösen Leiterschaft unter den Juden zu Jesu Zeiten, um so "aus der Schrift zu beweisen", dass Jesus Gott ist und dieses auch selbst behauptet habe.

Joh 10,33
Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.

Joh 5,18
Darum trachteten die Juden noch viel mehr danach, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich.

Aus der Aussage des Evangelisten in Joh 5 können wir deutlich sehen, was Jesus tatsächlich gesagt hat. Jesus hat verschiedentlich gesagt, Gott sei sein Vater. Kein einziges Mal hat Jesus von sich gesagt, dass er Gott sei. Und doch behaupten erwähnte Theologen anhand dieser Aussagen, dass Jesus Gott sei und dies "eindeutig" aus diesen Stellen hervorginge.

 

Wie kann das sein? Sie nehmen die Worte "machst Dich selbst zu Gott", welche die Juden im vorwarfen (Joh 10,33) und verstehen bzw. interpretieren diese dann so, als habe Jesus sich mit Gott identisch gemacht. Hinzu kommt dann die Aussage des Evangelisten "machte sich Gott gleich" (Joh 5,18), welche die Theologen in genau gleicher Weise interpretieren. Ist eine derartige "gleiche Identität" aber, was die Juden mit den Worten "machst Dich selbst zu Gott" bzw. der Evangelist Johannes mit "machst sich selbst Gott gleich" überhaupt gemeint haben?

Die Juden wußten und waren sich ganz sicher aus den Schriften, dass Gott im Himmel thronte, dass Gott Geist und kein Mensch ist. Sie wußten weiterhin sehr wohl, dass Gott verheißen hatte durch die Propheten, dass Er einen Menschen aus der Linie Abrahams und Davids senden würde, welcher der Erlöser, der Retter, der Messias sein würde. Was aber nun ihr Problem mit Jesus? Die Juden glaubten ganz sicher nicht, dass Jesus Gott sei ... und da sie Jesus gehört hatten, glaubten sie auch nicht, dass er von sich sagte, er sei Gott. Worauf also bezogen sie sich mit ihrem "machst Dich selbst zu Gott"?

Verschiedene Berichte in den Evangelien zeigen uns, dass die religiösen Führer der Juden in jener Zeit von Anfang an Jesus feindlich gesinnt waren, weil sie nicht wahrhaben wollten, dass er der verheißene Messias sei. Sie wußten sehr wohl, dass er nicht Gott war, sie wußten ebenfalls, dass der Messias ein Mensch sein würde. Sie wußten sehr wohl, dass Jesus ein Mensch war, aber sie weigerten sich, seinen Anspruch, dass er der verheißene Messias sei, anzuerkennen.

Der Messias sollte gemäß der Schriften von Gott gesandt sein, von Gott mit Kraft und Vollmacht ausgestattet werden und somit an Gottes Statt wirken. Auf diesen Aspekt, dass der Messias in der Autorität Gottes, mit Gottes Vollmacht, handeln würde, bezogen sie sich mit ihrem Hinweis auf das "zu Gott machen" bzw. wie der Evangelist es ausdrückt "Gott gleich machen". Dies wird auch deutlich aus einer anderen Aussage, die wirklich nur Sinn ergibt, wenn die Juden der Meinung waren, Jesus beanspruchte für sich der von Gott gesandte Messias zu sein, der Gottes Vollmacht besaß.

Joh 9,29
Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht.

Diese Aussage macht ebenfalls deutlich, dass die Juden nicht der Meinung waren, dass Jesus sich im buchstäblichen Sinne selbst zu Gott gemacht habe. Sie ergibt nur Sinn, wenn man erkennt, dass die Juden der Meinung waren, Jesus würde für sich in Anspruch nehmen, der von Gott gesandte Messias zu sein, der in der Vollmacht Gottes kommen und handeln würde.

 

Die gleiche Wahrheit wird deutlich aus der Aussage des Hohepriesters Kaiphas, als Jesus vor ihm stand.

Mat 26,63-64
Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.
Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. ...

Es ist nicht zu übersehen, dass Kaiphas zwischen (a) dem lebendigen Gott und (b) dem Christus, dem Messias unterschied. Weiterhin ist eindeutig, dass Kaiphas nicht glaubte, Jesus beanspruche der lebendige Gott zu sein (sich im buchstäblichen Sinn zu Gott zu machen), sondern dass Jesus beanspruchte, der Christus, der von Gott verheißene Messias, zu sein.

Als Jesus dann bestätigte, dass Kaiphas mit seiner Frage, ob er der Christus sei, genau richtig lag, und dann noch weiter ausführte, er würde zur Rechten der Kraft sitzen (Symbol für die Vollmacht des Messias), geriet der Hohepriester in Rage und bezichtigte Jesus der Gotteslästerung.

Die Anklage der Gotteslästerung hatte absolut nichts damit zu tun, dass Jesus beanspruchte, der lebendige Gott zu sein, sondern bezog sich darauf, dass Jesus beanspruchte, der von Gott verheißene und gesandte Messias zu sein, der laut der AT Weissagungen ein Mensch und selbst nicht Gott sein würde.

 

Quelle:

http://www.bibelcenter.de/bibel/trinitaet/joh10_33.php

 

www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!


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